Reisebericht Prag 2010

Bis vor dem Prag-Trip hatte ich mir noch nie die Mühe gemacht, einen Reisebericht über eine Städtetour zu tippen. Meist aus dem Grund, da die großen Sehenswürdigkeiten und die jeweilige Stadt an sich schon so unendlich oft beschrieben wurden, dass ich es einfach nicht für nötig gehalten habe. Und natürlich, da man letztendlich auch nicht viel mehr macht, als alle anderen Touris auch – also individuelle Wege, (Geheim)-Tipps und persönliche „Abenteuer“ eher selten sind. Nach unserem Prag-Trip aber musste ich wenigstens eine Kleinigkeit schreiben, denn Prag gehört zu den schönsten Städten, die ich bisher sehen durfte.

 

Ankommen/Hinkommen/Rundkommen
Kurz vor Weihnachten 2010 ging es für fünf Tage mit dem Flieger in die goldene Stadt. Germanwings hatte ein sehr gutes Angebot, das man nicht ausschlagen konnte. Da sämtliche Webseiten und Reiseführer vor der Abzockmentalität der Prager Taxifahrer warnten, buchten wir vorab einen privaten Shuttledienst, der einen am Flughafen abholt und zum Festpreis von rund 20 EUR für zwei Personen an jede beliebige Destination in der Stadt fährt (Anmerkung: Preis gilt auch Anfang 2017 noch!). Tatsächlich stand dann, nachdem wir das Gepäck am Band wieder eingefangen hatten, eine nette Dame in der Ankunftshalle mit einem Schild in der Hand, auf dem unsere Namen standen. Sie parkte quasi direkt vor dem Terminal und wir wurden schnell und sicher die etwa 25 Minuten ins Hotel chauffiert. Dazu erhält man noch gratis einen Stadtplan sowie einen Gutschein für eine kostenlose vierstündige Stadtführung. Nett. Der Service hat uns so überzeugt, dass wir ihn auch wieder für die Rückreise genutzt haben. Wer mehr wissen will: www.flughafentransfers-prag.de

Straßenbahn vor dem von den Pragern „gefrorene Pisse“ getauften neuen Nationaltheater

In der Stadt selbst nutzten wir das hervorragend ausgebaute öffentliche Verkehrssystem. Es gibt einheitliche Fahrkarten für Metro/Straßenbahn und Busse. Für uns perfekt war das 5-Tages-Ticket für 500 Kronen bzw. 20,- EUR. Schwarzfahren lohnt nicht wirklich, wir wurden gleich am zweiten Tag kontrolliert. Ansonsten ist gerade der Bereich von Altstadt, Neustadt, Kleinseite und Hradschin auch sehr gut zu Fuß erkundbar. Der Tagesdurchschnitt lag laut meinem Schrittzähler bei zehn Kilometern Laufstrecke, die wir als Eskimo verkleidet zurücklegten. Jeder Tag war einfach nur sackekalt, die Temperaturen lagen nicht ein einziges Mal über Null, meistens zwischen -8 und -12 Grad. Generell war das Wetter nicht das tollste, da es oft stark schneite.

Insgesamt konnte ich sieben Stunden Sonne zählen, drei davon am Abreisetag. Und trotzdem – Prag im Winter ist genauso sehenswert und wie mir erzählt wurde, ist so viel Schnee in der Stadt auch relativ selten. Außerdem: Da wir in den dunkelsten Tagen des Jahres unterwegs waren und es um 16 Uhr bereits fast finster war, konnte ich viele Dämmerungs- und Nachtfotos schießen 😉 Beim Rückflug hatten wir auch noch Glück, da er nur 45 Minuten Verspätung hatte. Rund um Köln und Prag machten wegen des Schneetiefs „Petra“ viele Flughäfen dicht und auf der Anzeigetafel an unserem Gate blinkten immer mehr „Cancelled“-Meldungen auf.

 

Karlsbrücke und Burg

Das Hotel und Verbindungen von dort
Wir wohnten im Corinthia Hotel, das auch schon mal Corinthia Towers heißt, je nach Webseite. Den besten Preis fand ich bei Booking.com
Es wird als Fünf-Sterne-Haus klassifiziert und hat nach deutschen Standards nicht nur meiner Meinung nach knappe vier Sterne verdient. Ich würde es weiter empfehlen, aber nur zu dem Preis, den wir bezahlt haben 😉 Wenn man lange genug sucht und vergleicht, kostet das Hotel auch nicht mehr, als ein Drei-Sterne-Haus in irgendeiner deutschen Stadt. Aber aufpassen: Zu besonderen Terminen oder wenn die Zimmer knapp werden ruft das Hotel absolute Mondpreise auf. Selbige herrschen auch im Hotel selbst vor. Wer nicht gerade einen Goldesel am Start hat, sollte es vermeiden, irgendetwas dort zu konsumieren oder irgendeine Zusatzleistung in Anspruch zu nehmen. Das Frühstücksbuffet allerdings ist immer inklusive und wirklich gut (bis auf den Kaffee).

In unserem Übernachtungspreis war die Nutzung des (leider viel zu kleinen) Spa-Bereichs bereits mit drin. Hier findet man im 24. Stock mit einer tollen Aussicht einen Swimmingpool sowie eine komischerweise nach Geschlechtern getrennte Sauna (über die wir nach einem langen Tag in der Kälte immer sehr glücklich waren). Ein großer Fitnessraum mit vielen neuen Geräten ist dort auch verfügbar. Unser Zimmer lag im 18. Stock und auch von dort aus war die Aussicht gigantisch. Im gesamten Hotel ist unverkennbar noch ein wenig der Charme der kommunistischen 1980er Jahre zu spüren, auch wenn vieles modernisiert wurde. Am Zimmer selbst gab es nichts auszusetzen, auch der Service war okay. Es hat schon was, wenn ein Herr in Frack und Zylinder auf einen zukommt wenn man vor dem Hotel vorgefahren wird, um einem die Koffer abzunehmen und aufs Zimmer zu schaffen 😉

Das Corinthia liegt zwar nicht in der Stadtmitte, aber verkehrstechnisch trotzdem sehr gut auf einem der Prager Hügel. Unmittelbar vor der Tür befindet sich die Metrostation „Vysehrad“. Von dort aus sind es fünf Minuten bis zum zwei Stationen entfernten Wenzelsplatz (Station „Muzeum“). Die Bahn wiederum fährt auch alle fünf Minuten. An der Station „Vysehrad“ findet sich auch ein Bankautomat, an dem man sich gleich mit Kronen eindecken kann. Die unzähligen Wechselstuben in der Innensstadt sollte man meiden, hier wird meistens viel zu viel abgerechnet, obwohl alle mit „0% Wechselgebühr“ werben. Ein paar Schritte von Hotel und Metrostation entfernt findet man ein riesiges Konferenzzentrum mit mehreren Eingängen. Eingang sechs ist der des „Admiral Casinos“ (für die kleinen Zocker unter uns 😉 Ein nettes kleines Casino mit mehreren Roulette-, Poker- und Blackjack-Tischen sowie einigen Automaten und einem großen Extraraum für Poker(profis). Der Eintritt ist frei, man benötigt aber seinen Personalausweis. Es gibt ein kleines warmes Buffet – Dieses sowie alle Softdrinks und auch Pilsener Urquell frisch von der Zapfe sind gratis. Direkt an der Station befindet sich auch ein Thailändisches Restaurant, dass sehr gut sein soll, von uns aber nicht besucht wurde. Die Hotelrestaurants sollen ebenfalls nicht schlecht sein, aber wie gesagt – der Goldesel … Ansonsten ist in direkter Hotelnähe nichts los.

 

Die Prager
Es ist schon seltsam, warum die Einwohner bzw. Dienstleister einer Stadt, deren Hauptwirtschaftszweig der Tourismus darstellt, teilweise so unfreundlich zu ihren Besuchern sind. Klar waren wir durch andere Reiseberichte und auch die Reiseführer „vorgewarnt“, aber vor Ort ist es dann doch komisch. Nach ein paar Tagen ist man richtiggehend froh, wenn einem etwa eine Servicekraft im Restaurant unverhofft ein kurzes Mundwinkelzucken schenkt. Natürlich kann man sich als Gast in dieser Stadt dennoch wohlfühlen und wir haben auch einige Ausnahmen von der Regel kennengelernt, aber man muss doch feststellen, dass der Prager an sich Touristen gegenüber eher missgestimmt scheint. Übrigens auch, wenn man es erst gar nicht mit Deutsch versucht, sondern wie wir konsequent nur Englisch spricht und selbst ständig dabei lächelt.

Trinken mit Pragern – In die urigen Pivnices (Bierstuben) verlaufen sich nur selten Touristen.

Wenn man nur Englisch und ein paar Brocken Französisch beherrscht, versteht man wirklich kein einziges Wort und kann auch von Geschriebenem wie auf Schildern nichts ableiten. Tschechen scheinen übrigens sehr auf „Das Beste der 80er und 90er“ zu stehen, denn zu jeder Gelegenheit, zum Beispiel in Geschäften, auf der Straße, in Restaurants und eigentlich überall tönt einem Plastikblubberlutsch von Eurodance a la „Barbie Girl“ bis hin zu den unvermeidlichen Modern Talking entgegen.

Kuriositäten gab es einige, dass würde hier zu weit führen. Was mir u.a. im Gedächtnis geblieben ist, ist eine der Damen, die morgens im Hotelfrühstücksraum den Kaffee ausgeschenkt hat. Das sie ähnlich aussah wie ein Mitglied der „Addams Family“ ist geschenkt, dafür kann sie nichts. Allerdings hatte sie keinen anderen Gesichtsausdruck drauf wie den von Angela Merkel wenn sie richtig schlecht gelaunt ist. Wenn man denn Glück hatte, stoppte sie einmal pro halbe Stunde am eigenen Frühstückstisch und bellte in schnarrend-zackigem Ton „KOFFI?“ Ich habe mich nicht getraut, ihr zu winken, wenn meine Tasse leer war … 😉 Oder unser Casino-Besuch – Gleich am Empfang prangte unübersehbar ein großes Schild auf dem Tresen: „Dear Guests, please leave your guns with the Security person.“

 

Weihnachtsmarkt auf dem Altstädter Ring mit Blick auf die Nikolauskirche

Sightseeing
Wenn man in etwa wissen möchte, was sich in Prag anzusehen lohnt, sollte man sich Zeit nehmen und Reiseliteratur oder eine der vielen Webseiten über diese Stadt studieren. Hier kann und will ich nur kurz darauf eingehen, dass Prag einfach eine wunderschöne Stadt ist, die an fast jeder Ecke Bauwerke zu bieten hat, die einem den Mund offen stehen lassen. Fast waren die Ansichten schon so verschwenderisch und geballt, dass man sich in einem gut gemachten Vergnügungspark wähnte.

Wir waren fünf Tage in der Stadt, was für die Hauptsehenswürdigkeiten sicherlich ausreicht. Wenn man aber auch abseits der üblichen Touristenpfade Dinge entdecken oder einfach tiefer eintauchen will (zum Beispiel ausgiebig Museen und Kirchen besuchen), dürfen es unserer Ansicht nach ruhig auch ein paar Tage mehr sein. Der Altstädter Ring mit dem Rathausturm und der Teynkirche sollte natürlich eins der ersten Ziele sein, dicht gefolgt von der in der Nähe befindlichen Karlsbrücke. Aber schon allein für die Prager Burg mit St. Veits Dom und das sie umgebende Viertel Hradschin ist ein Tag, wenn man denn alles genau sehen und auch einmal ein Päuschen machen will, fast zu wenig. Auch auf der sogenannten Kleinseite („Mala Strana“), also dem linken Moldauufer, ist ein ganzer Tag sicherlich eng gerechnet. Das Jüdische Viertel, die Neustadt, der Eiffelturmnachbau, der Fernsehturm, die Festung Vysehrad – es stand soviel auf dem Programm, dass wir längst nicht alles geschafft haben.
Übrigens: Wer ein Verehrer von Franz Kafka ist (ich bin es leider nicht), dürfte sich in Prag überaus wohlfühlen. An jeder Ecke finden sich Spuren des Autors, sei es eine seiner zahlreichen Wohnungen, Stammcafés, Lieblingsrestaurants oder die Straßenecke, an die er in einer lauschigen Sommernacht besoffen hingepinkelt hat 😉 .

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