Acht Dinge, die autofahrende Touristen auf Korsika wissen sollten

Herrliches Mittelmeer-Juwel Korsika! Stimmt ja auch, solange man dort kein Auto fährt.
Okay, ganz so schlimm ist es nun nicht. Aber auf meinem Korsika Trip in 2010 habe ich gelernt. Sehr viel. Schon einer meiner Reiseführer hatte damals vor den zähnefletschenden Korsen hinterm Steuer gewarnt. Als Glosse getarnt, habe ich darüber geschmunzelt und es nicht sooo ernst genommen. Die Franzosen fahren nun mal eben ein bisschen wilder, kennt man ja. Aber nix da, hier fahren keine Franzosen – hier fahren Korsen! Gepaart mit ortsunkundigen Touris eine Mischung, die einen ordentlichen Thrill bietet.

Genau hinsehen: Korsische Autos sind fast alle irgendwo angetitscht.

Dass die Korsen als eigenes Volk gelten möchten merkt man nirgendwo so gut wie auf der Straße. Ihre ansonsten mediterrane Lässigkeit scheinen sie auf dem Asphalt ausgleichen zu wollen. Und sie besitzen eine gehörige Portion Gottvertrauen im Straßenverkehr. Unglaublicherweise haben ich dort jedoch nur einen Unfall beobachten können. Betrachtet man die anderen Autos aber genauer, fällt auf, dass bis auf die ganz frischen Neuwagen fast keines ohne irgendeine Beule daherkommt. Oft sieht man (gerade bei den Pick-Ups in den Dörfern) Karren, die nur noch vom Rost zusammengehalten werden.

An die kleinen Straßen hat man sich relativ schnell gewöhnt. Es gibt nur ganz wenige Schnellstraßen („N“-Nationalstraßen), Autobahnen hat Korsika überhaupt nicht zu bieten. Die vergleichsweise kleine Insel war allerdings schon zweimal Spitzenreiter in der Verkehrsstatistik Frankreichs – gemessen an der Einwohnerzahl. Zum einen als Landesteil mit den meisten Autos (auf zehn Korsen kommen sieben PKWs), zum anderen sind auf Korsika die meisten Verkehrstoten zu beklagen.

Kleine Straßen, auf denen Fahrer und Beifahrer je eine eigene Spur genießen können.

Aber niemand braucht wegen des Autoverkehrs auf die Insel zu verzichten, auch wenn hier manches vielleicht etwas heftig klingt. Man fährt auf jeden Fall so sicher und entspannt wie möglich, wenn man sie beherzigt, die

ACHT DINGE, DIE AUTOFAHRENDE TOURISTEN AUF KORSIKA WISSEN SOLLTEN

1. Immer das Nummernschild des Autos hinter sich im Auge behalten. Lautet das Departement auf dem Kennzeichen „2A“ oder „2B“ sind es Korsen. Das bedeutet für einen selbst, vor allem wenn man irgendein anderes französisches oder ausländisches Kennzeichen hat: Auf großen Straßen so weit rechts fahren wie möglich und auf kleinen Straßen kurz die nächste Haltebucht ansteuern und überholen lassen. Und keine Sorge, man wird sehr schnell überholt werden.

2. Generell gilt: Immer überholen lassen. Nie den anderen ärgern! Zum Beispiel nie auf die Bremse tippen, weil der Hintermann zu dicht aufschließt. An der Stoßstange des Vorausfahrenden zu kleben ist für Korsen normal. Einfach passieren lassen und den Überholvorgang des Hintermannes und das Geschehen danach als Live-Action-Kino genießen. Dabei natürlich gebührend Abstand halten.

3. Außerhalb der Ortschaften sind fast überall 90 km/h erlaubt. Nie anstreben, diese Geschwindigkeit auch zu erreichen. Immer maximal mit der Hälfte rechnen, meist mit weniger (wichtig auch für die Tourenplanung).

4. Jede uneinsichtbare Kurve ernst nehmen und nie anschneiden, denn hinter jeder kann so einiges lauern, zum Beispiel ein Korse (der sie selbstverständlich anschneidet), ein Pulk Motorräder, lebensmüde Rennradfahrer (meist Ü50 und in Profitrikots), sorglose Spaziergänger (Fußwege gibt’s keine), ein Reisebus, frisch herabgefallene Felsbrocken oder natürlich Kühe, Ziegen, Wildschweine oder Hunde.

5. Fast jede Kurve ist heftig. Nicht auf Schilder verlassen, die eine scharfe Kurve kennzeichnen. Die gibt es nicht, ebenso wenig wie Leitplanken oder ähnliches. Nur manchmal werden 180° oder 360°-Kurven gekennzeichnet. Ganz manchmal.

6. So schön die Landschaft auch ist: Immer die Straße im Blick behalten, denn je nach Höhenlage wird man ansonsten schnell ein fest verbundener Teil mit dieser Landschaft. Wer die Augen offen hält, sieht einige Wracks in Böschungen und tief unten in den Felsen liegen.

7. Es gibt auch Knipskisten! In den Sommermonaten sollen zudem verstärkt mobile Kontrollen stattfinden. Ich habe nur eine gesehen. Normalerweise warnen entgegenkommende Verkehrsteilnehmer wie oft auch in Deutschland mit Lichthupe vor Polizeipräsenz an der Straße. Aber da man in der Regel sowieso langsamer fahren muss, als erlaubt, sind Blitzer das kleinste Übel.

8. Man wird oft angehupt. Schulterzucken ist die beste Antwort. Die eigene Hupe am besten gar nicht benutzen, es bringt ohnehin nichts. Das gleiche gilt natürlich auch für die üblichen Handzeichen. An roten (Baustellen)-Ampeln, gerade außerhalb von Ortschaften, immer stehen bleiben und nicht dem Beispiel der vorausfahrenden Korsen folgen.

Diese Tipps mögen spaßig klingen, sind aber im Kern ernst gemeint. Gute Fahrt und viel Spaß auf dieser wunderschönen Insel!

Wilde Kühe, die urplötzlich auftauchen: Man gewöhnt sich dran.

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