I’m going to Graceland: Zu Besuch bei Elvis

Ein Besuch in Memphis, ohne beim King vorbeizuschauen? Undenkbar. Dafür muss man noch nicht einmal ein Fan von Elvis sein. Es wäre einfach ein Stück amerikanischer (Musik-)Geschichte, das einem entgehen würde. Und ich war hinterher nicht nur klüger, sondern auch beeindruckt und ziemlich verwundert, so viel sei verraten.

„I’m going to Graceland
For reasons I cannot explain
There’s some part of me wants to see Graceland“

Natürlich läuft Paul Simons Klassiker im Auto, als ich die kurze Fahrt vom Hotel zum Anwesen der Presleys an diesem lauwarmen, leicht schwülen Sonntagmorgen Anfang November 2017 zurücklege. Bereits um neun Uhr stehe ich auf dem 10 Dollar Gebühr teuren Parkplatz von Graceland. Wobei – das eigentliche Haus liegt auf der anderen Straßenseite. Hier stehen ich vor einem riesigen Museumskomplex, der von außen den Charme einer Ikea-Filiale oder eines Outlets in irgendeinem Industriegebiet versprüht.

Zu so früher Stunde ist noch wenig los und netterweise erhalte ich an der Kasse als Medienvertreter im weitesten Sinn kostenlosen Zugang. Doch die 64 Dollar, um neben Graceland auch die Elvis Experience, also den noch recht neuen Museumskomplex, zu sehen, hätte ich tatsächlich auch bezahlt. Wann ist man schon mal hier? Das womöglich jeder so denken dürfte wusste auch Elvis’ Ex Priscilla, die Graceland nebst dem Museum mit unterhält, und hat ordentlich an der Preisschraube gedreht.

Graceland – Wirkt nicht gerade monumental.

 

Nach dem Kassenhäuschen wird man in eine Schlange manövriert, die umd diese Zeit noch keine ist, und wartet auf den nächsten Bus, der schnell parat steht. Er bringt einen lediglich über die Straße, die den Museumskomplex vom eigentlichen Anwesen trennt. Das ginge problemlos auch in wenigen Minuten zu Fuß, hat aber wohl Sicherheitsgründe. Der Bus stoppt direkt vor der Tür von Graceland. Tipp: Macht schon schnell hier Euer Foto von außen, denn am Ende der Besichtigung ist dazu wenig bis keine Gelegenheit, man wird sofort wieder in den nächsten Bus zurück gesteckt.

Innen bleibt für die Räume nur kurz Zeit, dann muss man weitergehen. Obwohl noch nicht viel los ist, sind die Mitarbeiter wohl in ihrem üblichen Modus und schleusen die Gruppen recht schnell durchs Haus. Für die ersten Zimmer hinter der Eingangstür, also Wohn- und Esszimmer, bleiben jeweils nur etwa zwei Minuten. Das Tablet, welches man als Audioguide um den Hals bekommt, bietet natürlich auch eine deutsche Tonspur und ist ganz nett aufgemacht. Für jeden einzelnen Raum hat es gute Erklärungen und Anekdoten parat.

Elvis‘ Wohnzimmer: Fast bescheiden.
Das Esszimmer – Hier dinieren ab und an noch die Presleys, sagt man.

 

Down in the Jungleroom
Ich möchte hier jetzt nicht zu jedem Raum etwas schreiben. Zum einen gibt es darüber sehr viele andere Seiten im Netz und zum anderen möchte mancher Leser sich vielleicht auch ein wenig Überraschung vorbehalten. Außerdem sind hier viele Bilder zu sehen. In jedem Fall ist es ein Erlebnis – auch als Nicht-Fan, der ich bin – durch Elvis’ ehemalige Räumlichkeiten zu streifen.

Das Schlafzimmer von Elvis‘ Mum Gladys soll unverändert sein.

 

Alles ist extrem Sixties und Seventies – was logisch ist – und wirkt dadurch teilweise schon fast wieder modern, an anderen Stellen dafür unglaublich kitschig und krass. Elvis hatte einen ganz eigenwilligen Geschmack und alleine aufgrund der Farben und Tapeten fühle ich mich sonderbarer Weise irgendwie zuhause. Ein Kind der Siebziger halt 😉

Die Küche: alles da, was man braucht. Nur kein Tageslicht.
Seventies galore in der Küche des King.

 

Am beeindruckendsten fand ich den sagenumwobenen Jungleroom und natürlich den Keller mit Billardzimmer (komplett ohne Fenster) und Elvis’ TV-Raum, der fast an Raumschiff Enterprise erinnerte und muffig-feucht roch. Durch all die Räume zu flanieren ist bereits eine einzige Zeitreise. Erst recht, wenn man sich währenddessen versucht zu vergewissern, was alles in diesen Räumen vor sich gegangen ist. Zudem ist beeindruckend, wie klein dann doch alles wirkt. Wer ein schlossähnliches Anwesen erwartet hat, wird sich verwundert die Augen reiben.

Der sagenumwobene Jungle Room
Im Jungle Room fanden nicht nur legendäre Partys statt, hier entstanden ganze Elvis-Platten
Unter drei Fernsehern machte der King es nicht. Die Fernbedienung: Bei schlechtem Programm gerne mal ein Revolver.
Nebenan im Keller: Das Billard-Zimmer. Ebenfalls kein Fenster und voll bestofft.

 

Der Zutritt in die erste Etage bleibt verwehrt.

Da in der oberen Etage die Privaträume der Presleys sind, darf man dort leider kein Auge hinein werfen. Tatsächlich kommen sowohl Priscilla als auch Lisa-Marie ab und an noch hier vorbei, auch über Tage. Vielleicht ist das da oben ihr Reich. Andererseits könnte es sein, dass den Besuchern einen Blick auf Elvis’ Schlafzimmer und Bad verwehrt bleiben soll. Denn anders, als der Audioguide es erzählt, starb Elvis ja wohl dort auf dem Klo, während seine aktuelle Freundin im Bett auf ihn wartete.

 

Nach draußen geht es durch einen kleinen Museumsteil mit persönlichen Devotionalien des Kings, zu denen der Audioguide manch rührselige Geschichte zu erzählen hat. Dann sieht man noch seine Squash-Halle und Pferdekoppel, bevor es zum Elvis’ Grab geht, die gleich hinter dem Pool in einem eigenen kitschig-pompösen hergerichtet wurde.

 

 

Draußen geht’s weiter. Ein Blick auf das offenbar oft erweiterte Anwesen von hinten (ganz rechts unten der Jungle Room).
Gegenüber eine kleine Pferdekoppel.
Ein weiterer Entertainment-Bereich mit Flipper, Bar, Piano und Squash-Halle

Hinter dem Pool kann man bereits die Gräber erahnen.
Nur leicht kitschig: Der kleine Friedhof vond er anderen Seite gesehen.
Da liegt er, der King. Neben ihm seine Eltern Gladys und Vernon, sowie Oma Minnie Mae.

 

Der Audioguide und auch die zahlreichen Tafeln wirken alle sehr glatt, was die Geschichte des Kings angeht. Elvis der Gutmensch. Kein Wort über seinen Hang zu sehr jungen Frauen, die Scheidung von Priscilla und seine (wirklichen) Todesumstände. Aber das ist auch logisch wenn man sich klar macht, dass seine Ex Priscilla all das hier mit aufgebaut hat. Man will die Marke Elvis sicher nicht mit kontroversen Geschichten und Affären beschädigen, erst recht nicht in ihrer eigenen Machtzentrale. Zum Glück gibt es zahlreiche Dokus, Bücher und Artikel, in denen man im vor- oder nachhinein bessere bzw. wahrere Informationen findet. Andererseits: Wer ein totaler Elvis-Fan ist, möchte das vielleicht auch gar nicht und ist einfach nur froh, Graceland zu sehen. Und wirklich: Ich möchte diese Erfahrung auch nicht missen, es war sehr interessant.


Mehr Elvis, als man essen kann

Zurück auf der anderen Straßenseite gilt es noch, sich dem Museumskomplex mit seinen vielen riesigen Hallen zu widmen, der in meinem Ticket mit enthalten ist. Soviel vorab: Alles ist kaum zu schaffen. Wer wirklich jede Halle genau sehen möchte, kann inklusive dem Graceland-Besuch einen ganzen Tag hier verbringen, mindestens. Es muss zwar kaum gesagt werden, doch hier befindet sich wirklich das Mekka für jeden Fan. Das relativiert dann auch wieder die Preise.

Eine Halle widmet sich alleine Elvis Fahrzeugsammlung, Was für Schlitten! Einer schöner als der andere. Selbstverständlich gibt es zu den Autos sowie zu den diversen Motorrädern, Hot-Rods, Booten, Golf-Carts, Schneemobilen, Treckern und vielen anderen Gefährten mehr Erklärtafeln auf denen steht wo und warum Elvis das betreffende Fahrzeug fuhr und so weiter.

Zurück im Museumskomplex gibt es unter anderem jede Menge fahrbare Untersätze zu sehen.
Mein Trike, meine Harley, meine Boote.

 

Ferner sind in einer anderen Halle Elvis’ Kostüme, Auszeichnungen, goldene Schallplatten (eine Auswahl daraus füllt eine komplette, riesige Wand) und vieles, vieles mehr zu sehen. Die Masse an Exponaten erschlägt einen fast. Langweilig wird es hingegen nie.

Film-Outfits …
… und Las Vegas-Anzüge
Auch die Kostümabteilung bekommt eine eigene Halle.
Eine kleine, bescheidene Auswahl der Gold- und Platin-Platten.

 

Und das ist noch nicht alles. Selbst die Flugzeuge des Kings sind in einem Außenbereich zu besichtigen – die kleine Hound Dog I und die große Lisa Marie. Gerade in Letzterer zeigt sich einmal mehr, in welcher Welt der King sich seit seinen jungen Jahren befunden hat. Ein Waschbecken aus Gold! Im Flieger! Fünf Stunden hatte mich diese Elvis-Erlebniswelt in ihren Fängen und ich hätte noch länger gekonnt, doch an diesem Tag in Memphis standen noch weitere Dinge an. Mehr dazu gibt es in meinem Reisebericht Südstaaten.

Reinschnuppern in Elvis‘ Hauptflieger, die Lisa-Marie.
Hässlich, aber gemütlich.
Hier schließ der King über den Wolken.
Sein Bad war natürlich in dezentem Gold gehalten. Echtem Gold.
Für kürze Strecken stand Elvis ein zweiter, kleinerer Jet zur Verfügung.

 


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