Der große Japan Fakten-Check

Man hört und liest ja viele Vorurteile, bevor es ins Land der aufgehenden Sonne geht. Auch heute noch, in Zeiten des allumfassenden kollektiven Wissens per Mausklick, hält sich so manches Gerücht über Japan und seine Bewohner hartnäckig. Und auch wenn ich nach zwei Japan-Reisen jetzt längst kein Experte bin, waren einige davon doch recht schnell zu entlarven. Oder eben zu bestätigen …

Vorurteile, die nicht stimmen

Japaner sind alle klein.
Nö, wohl nicht mehr. Die älteren und ganz alten sind teilweise tatsächlich winzig, aber je jünger sie sind, scheint die Evolution auch hier nicht halt zu machen, was die Körpergröße angeht. Klar, bei großen Menschenmengen kann ich mit meinen 1,85 Meter locker über die meisten Köpfe gucken, aber als Durchschnitt würde ich 1,60 bis 1,70 bei Frauen und 1,70 bis 1,80 bei Männern schätzen.

Die ganzen jungen Typen sehen aus wie Mangas.
Quatsch. Viele „junge Leute“, gerade in den hippen Vierteln, tragen schon ziemlich bekloppten Kram, vor allem viel Kawaii-Style, also sehr süüüß. Klar sieht man Mädels mit halterlosen Strümpfe zu Pumps und Röckchen und darüber ne Leopardenfelljacke mit pinken Bändern und einer Teddy-Handtasche oder so. Aber die meisten laufen relativ normal gekleidet rum, eher weniger leger als hierzulande. Auf gute Kleidung wird offensichtlich viel Wert gelegt. Aber dass die japanischen Männer werktags alle in Anzügen herumlaufen und aussehen wie eine Schar Pinguine stimmt tatsächlich.

Sie erfüllt das Manga-Klischee, macht’s als Mitarbeiterin eines „Maid Cafés“ aber auch beruflich.

Die essen doch nur Reis, Nudelsuppen, Sushi und Gemüse.
Die essen fast alles, was wir hier auch essen und natürlich ihre traditionellen Gerichte zusätzlich. Keine Ahnung, ob es an meiner Restaurant-Auswahl lag, aber ich mache auch keinen Bogen um ganz normale japanische Restaurants. Auffällig auch, dass es hier sehr viel Frittiertes gibt. Pommes klar, aber auch viele Fleischgerichte sind paniert und frittiert.

Japaner gehen in Katzencafes, weil sie sich zuhause keine Tiere halten.
Die wenigsten! Wer es genauer wissen will, liest hier mehr darüber im Reisebericht Japan 2014,
Tag 7.

Japaner sehen doch alle gleich aus!
Ehrlich gesagt, anfangs dachte ich das auch noch. Aber je länger man dort ist fällt auf, dass dieses Vorurteil völliger Nonsens ist. Gut, eigentlich hätte man sich das schon vorher denken können. Mit der Zeit sieht man, dass hier auch alle verschieden aussehen und es tausende Arten von Gesichtern gibt. Hübsche, hässliche, platte, ovale, langgezogene, breite, die mit hoher Stirn …

Brot oder Brötchen? Gibt’s da nicht, zum Frühstück gibt’s Reis!
In traditionellen Ryokan-Unterkünften vielleicht. Ansonsten gibt es in allen Hotels, die ich dort bewohnt habe „westliches“ Frühstück, angereichert mit japanischen Spezialitäten. „Jaha, im Hotel!“ sagst Du? Guter Einwand, aber trotzdem: Es gibt nicht ganz so viele Bäckereien wie hierzulande, aber ich würde mal sagen in keiner größeren Straße einer Großstadt fehlt ein Bäcker oder Konditor. Von den zahlreichen Supermärkten mal ganz zu schweigen. Wobei richtige Brötchen tatsächlich wohl eher selten sind. Die in Japan sehen so aus, wie in den USA. Man würde es in Deutschland als Weckchen verkaufen.

Der ÖPNV ist nicht so kompliziert, wie er aussieht. Und auch nicht immer proppevoll.

U-Bahnen sind immer proppevoll, in Tokyo gibt’s sogar Personal, dass die Leute in die Züge schiebt!
Das gibt es ganz bestimmt, aber ich habe es erst ein mal gesehen. Auch waren bis auf ein paar Ausnahmen fast immer Sitzplätze in den Bussen und Bahnen frei, ob in Tokyo, Osaka, Kyoto oder Hiroshima. Und ich war durchaus auch zu den typischen Rush-Hour-Zeiten unterwegs, da aber wahrscheinlich an den „falschen“ Bahnhöfen.


Käse? Kennen die nicht! Können die gar nicht verdauen, denen fehlt doch da so ein Enzym …

Medizinisch kann ich da nix zu sagen. Aber ansonsten: Käse ist irgendwie europäisch. Und alles, was aus Europa kommt, ist toll. Ergo gibt es Käseläden, Käseabteilungen in Kaufhäusern, etc. Und „Mit Käse überbackenes“ gibt es auf sehr vielen Speisekarten.

Japan ist total teuer!
Bisher war ich zwei mal dort. Und beide Male fand ich es normal bis günstig! 2014 etwa bekam man für 0,73 Euro 100 Yen. Nur ein Beispiel: Für 5000 Yen (also 36,50 Euro) konnte man zu zweit sehr gut ein Abendessen in einem normalen Restaurant bestreiten, inklusive mehreren Getränken – in einer Großstadt wie Tokyo! Allgemein würde ich sagen, dass die Preise für das alltägliche Leben dort sogar günstiger sind als in Deutschland. Auch Tickets für den Nahverkehr sind unschlagbar billig. Höh? Ja, ich war selber überrascht!

Ständig muss man seine Schuhe ausziehen!
Einspruch, euer Ehren! In Privathäusern auf jeden Fall. Wenn man einen Tempel betritt: ja. In Restaurants: manchmal. Ansonsten haben ich die Schuhe nie ausziehen müssen. In Hotels kümmert man sich offensichtlich gar nicht darum, Kapselhotels und Ryokans ausgenommen.

Das Nahverkehr-System in Tokyo ist total kompliziert!
Jein. Guckt man zum ersten Mal auf den Plan, versteht man tatsächlich nur Bahnhof. Aber wenn man erst mal seine Pasmo-Karte am Automaten gezogen hat (was kein Hexenwerk ist), sich die Pläne genauer anguckt und verstanden hat, dass Tokyo mehrere Metro-Anbieter besitzt und es „die Bahn“ nicht gibt, ist man schon bei der Musik. Und das geht ganz schnell. Außerdem ist immer alles in englisch ausgeschildert, auch die meisten Ausgänge.

Japaner sind ja eher leise, zurückhaltende Zeitgenossen.
Schon mal in einem japanischen Restaurant gesessen? Der Lautstärkepegel ist höher als am Wochenende in einem Kölner Brauhaus. Bei der persönlichen Begegnung mag das stimmen. Aber ansonsten sind „die“ auch ganz schön laut.

Vorurteile, die stimmen

Zebrastreifen-Ballett Hier sorgen drei Leute für Sicherheit – an einem (!) Zebrastreifen.

Japan ist ein sicheres Land.
Aber hallo! Klar gibt es hier auch Kriminalität, aber ich habe mich noch in keinem Reiseland so sicher gefühlt. Und die Japaner an sich sind auch sehr locker unterwegs. Zum Beispiel werden Gepäck, Kameras, ja sogar Geldbörsen kurz unaufbesichtigt liegen gelassen. Oder auch hier beliebt: fette Baggy-Pants bei (männlichen) Teens, wo der Arsch auf den Knien hängt. In der Gesäßtasche steckt oft ein Portmonee so groß wie eine Kellner-Geldbörse und guckt somit halb raus. Nix mit Ketten gesichert oder so. Läuft man so rum, wenn man Angst vor Taschendieben hat?

Japaner sind sehr genau.
Absolut! Hier herrscht Obrigkeitstreue und Perfektionismus bis zur Pedanterie. Ich darf mal als ein Beispiel von vielen auf die Story mit den Bauarbeitern verweisen.

Da ist es sehr sauber.
Ich kann ja nur von einem überschaubaren Teil Japans berichten, den ich bisher besucht habe. Aber dort war es, bis auf ganz wenige Ausnahmen, oft wie geleckt. Vor allem die Straßen – und das, obwohl es kaum öffentliche Mülleimer gibt!

Japaner sind mega-freundlich.
Und wie! Fast schon bis an die Schmerzgrenze für europäische Gewohnheiten.

Frauen sprechen oft mit Hand vor dem Mund, kichern dabei und klingen wie Micky Maus.
Ja.

Viele tragen draußen Mundmasken.
Korrekt. Geschätzt einer von fünf mindestens. Man muss aber auch wissen, warum. Nicht nur wegen schlechter Stadtluft (welche ich nie geschnüffelt habe). Wenn ein Japaner etwa erkältet ist, trägt er eine Mundmaske, um seine Mitmenschen nicht mit seinen Bazillen zu konfrontieren.

Klo-Anweisungen im Nobelhotel

Auf fast jedem Klo gibt’s Popo-Duschen.
Jap! Und Sitzheizung! Und oft noch eine Klangprinzessin (heißt wirklich so). Weil: Unflätige Geräusche auf dem Klo zu machen gilt als peinlich und unhöflich. Also wurde bis vor wenigen Jahren immer die Spülung betätigt, wenn ein Pups zu entfleuchen drohte oder der Urin allzu laut ins Becken plätscherte. Das verursachte natürlich immensen Wasserverbrauch. Also erfand man die Klangprinzessin. Ein Druck aufs Knöpfchen und ein Bergbach rauscht, Vögel tschilpen oder andere Wohlgeräusche erklingen. Dass dann trotzdem jeder weiß, was gerade passiert, steht auf einem anderen Blatt. Apropos Blatt: Ja, trotz Popo-Dusche gibt’s auch Klopapier. Aber Handtücher sucht man auf öffentlichen Toiletten fast immer vergebens.

 

 


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