Tokio & Kyoto: Reisebericht Japan 2014 / Tag 1

TAG 1 / KÖLN-MÜNCHEN-TOKIO
Freitag/Samstag, 09./10.05. / 24°C / Sonnig

Endlich geht es los! Sehr gespannt sitzen wir Mittags an einem der Gates unseres Heimat-Flughafens Köln und warten auf den Flug nach München. Am Gate hinter mir vernehme ich eine bekannte Stimme, die mir gestern Abend noch während des Packens aus dem TV entgegen trötete. Denn als ich Slips, Socken und Co. in den Koffer war, lief nebenbei das Finale der diesjährigen „Germanys Next Top Model“-Staffel, an der ich beim Zappen hängen geblieben war. Genau, das ist doch Wolfgang Joop! Na, da kann die Party nach dem Finale in der Kölnarena heute Nacht ja nicht allzu lange gelaufen sein. Erst jetzt fällt mir auch auf, wie viele weitere gestylte Menschen um uns herum warten. Pro7 sitzt ja in München … Schnell bewaffne ich mich mit meinem Smartphone, ringe Joop noch ein paar Sätze und ein Foto ab und sende es in die Redaktion. Ein bisschen zusätzliches Urlaubsgeld kann ja nicht schaden.

Im Flieger nach München sitzt eine sehr (sehr!) flugängstliche GNTM- oder Pro7-Mitarbeiterin neben uns. Bei jedem Geräusch oder Wackeln fragt sie, ob das normal ist, krampft ihre Hände um die Armlehnen, schnauft vernehmlich und stößt alle paar Minuten „Oh Gott, oh nein“ und ähnliche Stoßgebete aus. Ich habe Verständnis, das kenne ich von früher. Zum Glück hab ich das aber anscheinend hinter mir, denn mir macht Fliegen (derzeit?) nichts mehr aus. Wir reden beruhigend auf sie ein. In München am Gate hebt sie sich schnell aus ihrem Sitz und sagt noch nicht mal „Tschüss“.

Wir haben Verspätung und gerade noch Zeit, den Anschlussflug nach Tokyo (Haneda) punktgenau zu erreichen. Kaum sitzen wir fast als letzte in der Maschine, geht es auch schon los. Die ersten zwei Stunden ist anschließend ein Mordsgewese um einen herum. Man hat gar keine Muße, einen Film oder ähnlichen Zeitvertreib anzufangen. Erst kommen die Sicherheitshinweise, dann heiße Erfrischungstücher, dann Formulare für Zoll und Einreise, dann ein Aperitif, dann schon Abendessen, danach Kaffee & Schokolädchen, dann kommen sie, und ziehen überall die Rollos runter. Schlafenszeit! Find ich ja doof, ich guck gerne raus. Aber Sinn macht’s schon. Wir hangeln uns streng an der Mitternachtssonne im nördlichsten Russland vorbei, dunkel würde es draußen also ohnehin nie. Und gen Osten sollte man ja möglichst schlafen, um den Jetlag auszutricksen. Klappt tatsächlich auch vier bis fünf Stunden ganz gut, natürlich nicht am Stück. Bis drei Stunden vor der Landung dämmern wir vor uns hin. Dann geht ein allgemeines „Guten Morgen“ durch die Maschine, bald danach wird Frühstück verteilt und schon geht es von Russland aus aufs japanische Meer hinaus. Ab da hab ich dank wolkenfreiem Himmel Fensterkino bis Tokyo.

Auch nach der Landung um 10 Uhr klappt alles reibungslos. Koffer holen und Immigration sind in ’ner halben Stunde erledigt. Rebekka testet direkt mal ein Klo mit Sitzheizung und Unterbodenwäsche im Flughafen. In der Zeit gehe ich draußen eine rauchen, nach elf Stunden Abstinenz. Mist, vor der Tür ist natürlich ein Nichtraucherbereich. Gut, gehe ich halt ein bisschen abseits und rauche heimlich. Aber: Die Straße ist wie geleckt, nirgends auch nur ein Papierchen, geschweige denn eine Kippe auf dem Boden … Kaum eine halbe Stunde in Japan und schon das Gesetz gebrochen!

Pagode des Senso-Ji

Die Bahn in den Stadtteil Asakusa (dort steht unser Hotel) ist schnell gefunden. Wir ziehen am Automaten eine „Pasmo“-Guthabenkarte für das Bahnsystem, laden sie auf und gehen runter zum Bahnsteig. Die Bahn kommt zeitgleich und nach 35 Minuten stehen wir am Bahnhof Asakusa. Noch 10 Minuten Fußweg zum Hotel – et voila! Jetzt nur noch auspacken, Duschen, Rucksack packen und sofort wieder ab zum direkt benachbarten Senso-Ji Schrein. Da gucken wir uns dann erst mal so richtig um. Pagoden, Schreine, Koi-Karpfen, Ginko-Bäume und das alles bei Kaiserwetter. Ja gut, dann haben wir Japan ja jetzt gesehen, auf nach Australien 😉

Wir laufen alle Tempel ab, hier sind sowohl Shinto- als auch Buddhismus-Schreine zu Hause. Aus der Ferne sehen wir sogar eine Hochzeit in traditionellen Gewändern. In den Geschäften rund um den Tempelbezirk gibt es viel Nippes, aber auch viel Schönes. Und alles gar nicht so teuer. Überhaupt scheinen die Preise hier sehr zivil. Wenn man davon ausgeht, dass in Asakusa wegen dem Tempel erhöhter Touri-Alarm herrscht erst recht. An jeder Ecke (wirklich – an jeder Ecke!) findet sich ein Getränkeautomat, der 0,2 – 0,5 Liter Softdrinks für umgerechnet 0,70 Cent ausspuckt.

An der Touristinfo in Asakusa werden wir noch hübsch beraten und mit einer Karte ausgestattet. Dann laufen wir noch durch eine Straße, in der viele Gastronomie-Ausstatter ihre Läden haben. Das Besondere: Hier werden auch die täuschend echten Plastik-Imitationen von Gerichten hergestellt, die hier (und sicher nicht nur hier) vor jedem Restaurant zu sehen sind. So muss man kein japanisch können um zu sehen, was man bestellt. Clever. Auch die Abteilung Kulturschock wird noch bedient. Im vierstöckigen, 24 Stunden geöffneten „Don Quichotte“-Supermarkt laufen wir staunend durch die engen Gänge. Alles ist grellweiß ausgestrahlt und die Regale platzen vor Ware und bunten kleinen Schildchen, Plakaten und Bildschirmen, auf denen Spots laufen. Für Auge und Ohr die totale Überforderung. In der Drogerie-Abteilung beschäftigt sich ein ganzes Regal nur mit Dingen, die japanische Mädels westlicher aussehen lassen sollen. Mein Highlight: irgendwelche Klebestreifen, die Ober- und Unterlied der Augen weiter auseinanderziehen, damit diese größer wirken.

Als es um kurz vor 19 Uhr dunkel wird, suchen wir ein Restaurant. Wir können uns nicht entscheiden und kehren irgendwo ein. Der Gastraum hat nur ein paar wenige Tische, die meisten fast auf Bodenhöhe mit „Loch“ darunter für die Beine, und ist nur mit Socken zu betreten. Zum Glück gibt’s aber ja die Plastikimitationen und eine halbwegs brauchbare englische Karte. Wir werden mit Curry und Yakitori-Spießen gut satt, dazu gibt’s leckeres Asahi-Bier (was sonst, schließlich sitzt die Brauerei in Asakusa um die Ecke). Für kaum zu schlagende 20 Euro werden wir beiden gemeinsam satt. Nach dem Tippen dieser Zeilen hier und einem Schlummertrunk im Hotel geht’s um 23 Uhr hundemüde in die Poofe. Abgezogen des Dösens im Flugzeug waren dass ja dann jetzt auch 28 Stunden ohne Schlaf, das reicht erst mal. Gute Nacht, Tokyo!

Senso-Ji: Die drei Mädels von der Wunschzettel-Tanke

Was uns am ersten Tag noch alles aufgefallen ist:
Was sind die Straßen alle sauber, es ist fast unwirklich! Am Abend frohlocke ich fast, als ich den ersten Zigarettenstummel und ein Papierchen auf der Straße sehe. Hier wohnen ja doch Menschen! Wenn ein Tokyoter zum ersten mal nach Deutschland kommt, vielleicht sogar nach Köln, am besten erst mal hübsch nach Ehrenfeld, muss der denken, die Deutschen seien alles unglaubliche Dreckschweine. Überhaupt: Rauchen. Im Restaurant: Ja, bitte! Im Hotel: kein Problem! Aber auf der offenen Straße? Bitte nur in speziell ausgewiesenen Raucherbereichen, der Herr! Da finden sich dann auch riesige Aschenbecher und ab und an ein Mülleimer. Ansonsten muss man nämlich lange suchen, bis man einen findet. Höchstens an den Getränkeautomaten bietet sich mal eine Gelegenheit, Flaschen und Dosen weg zu werfen.
Und natürlich: Hier sind alle sehr, sehr freundlich und kundenorientiert. Ach – und die kleine Baustelle auf dem Fußgängerweg vor dem Hotel am (Samstag)-Abend: Die Umleitung für Fußgänger war vielleicht 15 Meter lang, übertrieben gut ausgeschildert, abgezäunt und mit Warnlampen versehen. Trotzdem standen vier (!) ältere Herren in Warnweste bereit, einer am Anfang der Umleitung, zwei in der Mitte und einer am Ausgang. Alle wiesen mit einem Leuchtstab den (sowieso logischen) Weg und wünschten unter Verbeugungen einen schönen Abend.

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