Spannende Südstaaten – USA 2017 / Tag 4

Montag, 30.10.2017
New Orleans

Klingeling! Und wieder plärrt uns der Handywecker für eine Führung aus dem Schlaf. Aber gerne doch – denn heute sind wir nicht nur weit ausgeschlafener als gestern. Auch die Sonne strahlt bei 24 Grad von einem wolkenlosen Himmel. T-Shirt Wetter Ende Oktober, so muss das sein. In nur acht Minuten gelangen wir mit dem Auto vom Hotel zum Garden District. Dort liegt der Lafayette Friedhof, den uns Derek, ein netter älterer Herr, gleich zeigen wird. Er arbeitet ebenfalls freiberuflich für die Free Tours By Foot und schart sein kleines Grüppchen an einer Ecke des Friedhofs um sich. Darin treffen wir unsere Voodoo-Mama von der Führung gestern wieder (zur Erinnerung, ich war der Voodoo-Trommler) 😉

 

Gelbfieber und Grabstein-Fehler
Derek hat vor langer Zeit osteuropäische Kultur in Berlin studiert, mag sich aber nicht mehr trauen, Deutsch zu sprechen. Sein Südstaaten-Akzent ist sehr stark ausgeprägt, da kommt ausnahmsweise mal nicht 100 Prozent des Gesagten bei uns an. Über den Lafayette Friedhof, einem der größten der Stadt, weiß er sehr viel zu berichten, da er sich ehrenamtlich um Erhalt und Pflege der uralten Grabstätten kümmert. In New Orleans werden die Toten oberirdisch in Grüften bestattet.

 

Lafayette Cemetery No. 1

Der Grundwasserspiegel hier ist so hoch, dass die Särge ansonsten oft nach oben getrieben würden. Der Friedhof ist nicht nur schön, sondern hat auch einige spannende Storys auf Lager. So sind früher etwa viele Menschen gestorben, kurz nachdem sie jemanden zu Grabe getragen haben. Grund: Gelbfieber-Mücken liebten die Pfützen, Vasen und andere kleine stehende Gewässer auf dem Lafayette und breiteten sich dort rasch aus …

Außerdem sind viele Deutsche dort beerdigt, die Mitte des 19. Jahrhunderts hier lebten. Einen deutschen Grabstein darf ich vorlesen und für die Gruppe die Frage beantworten, ob ich als Hinterbliebener wohl auch 11.000 Dollar dafür beim Steinmetz bezahlt hätte. Wohl kaum, denn er ist voller Rechtschreibfehler. Überhaupt hat Derek es mit viel Humor drauf, die Führung kurzweilig zu halten. Lohnt sich! Gerade, als wir den Friedhof Richtung Garden District verlassen, biegt eine Harley-Beerdigung auf die engen Fußwege ein. Bestimmt zwanzig Maschinen knattern auf das Lafayette-Gelände, abgeschirmt von der Polizei. Warum die sich für solche Aufgaben hergibt erklärt Derek mir gerne: „Du kannst sie hier mieten. So eine Eskorte kannst du für 150 Dollar die Stunde haben.“

 

Ein Blick in den Vorgarten der Promis
Nach dem Reich der Toten führt Derek uns zu den Reichen und Schönen in den Garden District gleich nebenan. Unglaublich tolle Südstaatenvillen mit herrlichen Gärten reihen sich aneinander. Viele sind sehr liebe- bzw. grauenvoll geschmückt – morgen ist schließlich Halloween. An manchen Gartentoren prangen sogar Schilder, dass „Trick or Treat“ dort explizit erlaubt ist. So schön wie die Häuser, so chaotisch sind oft die Bürgersteige davor. Manche bestehen mehr aus Wurzeln, als aus Pflaster. Daran erkennt man die Schlampen unter den Villenbesitzern, denn jeder muss seinen eigenen Teil Bürgersteig pflegen.

 

Garden District – Hie wohnen die Reichen und Schönen

Anders als in L.A. stehen die Promi-Häuser hier ganz normal ohne große Mauern herum und sind wie alle anderen auch von der Straße aus zu sehen. So laufen wir etwa an John Goodman und Sandra Bullock vorbei. Gleich in der Nähe sind die Villen, in denen Szenen für „Benjamin Button“ und „Django Unchained“ gedreht wurden. Die ehemalige Villa von Nicholas Cage steht zum Verkauf. Man munkelt, dass es ihm finanziell nicht mehr so gut gehen würde. Dabei sind die Preise hier gar nicht mal hoch – für anderthalb Millionen Dollar ist eine respektable Villa zu haben. Wenn man bedenkt, dass man für ein Einfamillienhaus in Köln schon 500.000 ausgeben kann … Etwas außerhalb am Mississippi gebe es kleinere renovierungsbedürftige Südstaatenvillen bereits für 35.000 Dollar, erzählt Derek. Er habe sich eine gekauft, achtzig Kilometer von New Orleans entfernt, und renoviere diese gerade mit Hilfe von deutschen Handwerkern. Die seien so schön genau. Er fordert uns nicht nur einmal auf, doch einfach überzusiedeln.

 

Zurück in das echte French Quarter
Nach der sehr interessanten Führung nehmen wir in einem Café einen Mittags-Muffin und schlendern noch einmal auf eigene Faust ohne Gruppe über den Friedhof und durch den Garden District. So bleibt mehr Zeit zum Fotografieren. Anschließend geht es wieder auf den wohl günstigsten Parkplatz in Downtown (siehe Tag 3), um endlich mal in Ruhe im Hellen und bei perfektem Sommerwetter das gesamte French Quarter zu erkunden. Dabei meiden wir die Bourbon Street und lernen, dass die Royal Street wunderschön ist. Diese Häuser! Diese Pflanzenampeln!

Sehr viele Straßenbands und Musiker, die auch richtig gut spielen, sind am Start. Wir hören hier und dort zu, laufen dann zum Jackson Square und genießen auch dort die Musik und gucken Leute. Gleich gegenüber schauen wir kurz am Mississippi-Ufer vorbei. Träge wälzt sich der braune Fluss in Kurven um die Stadt. Den Schaufelraddampfer Natchez sehen wir nur aus der Ferne. Eine Tour damit rund um den Hafen soll öde sein, weil es schlicht nichts zu sehen gibt außer Industrieanlagen. Wir bleiben hart am Fluss und laufen noch durch die Hallen des French Market. Kann man machen, Markthalle eben, ganz nett.

 

Feierabend am Jackson Square

Unser Reiseführer lotst uns aber zur Frenchmen Street – dem „wahren“ French Quarter. Quasi der Gegenentwurf der Bourbon Street für Einheimische. Dort finden sich wirklich viele Musik-Clubs. In jedem Laden spielt eine Band und keine ist schlecht. Jazz, Cover, Blues, Rock – alles da. Das Publikum hier ist erkennbar weniger touristisch, aber alles in allem isset schon ein bisschen schmuddelig hier. Im nahen Washington Park suchen wir uns auf Tripadvisor ein Restaurant fürs Abendessen, während schon wieder die Sonne untergeht. Nach dem Happa schlendern wir die Frenchmen noch einmal rauf und runter. In manchen Läden spielen fünf Bands pro Tag und es reicht schon, vor den oft geöffneten Fenstern stehen zu bleiben, um etwas mitzubekommen.

Zum Abschluss des Tages latschen wir die gesamte Frenchmen hoch zur Streetcar, die übrigens mit wunderschönen alten Waggons betrieben wird. Sie bringt uns bis runter zum Harrah’s Casino. Oh ja, diese Filiale des Vegas-Casinos muss einfach noch sein. Zwei Dinge sind hier allerdings anders: Rauchen geht nur in einem gesonderten Bereich und – wie cool – Drinks kann man direkt am jeweiligen Automaten, an dem man gerade spielt, für lau auf einem Display bestellen. Höhö. Zuerst zocke ich ein wenig an den Einarmigen, gehe aber recht schnell zum Roulette über. Mit 300 Dollar plus in der Urlaubskasse verlassen wir das Harrah’s zufrieden anderthalb Stunden später und machen uns auf dem Weg zurück ins Hotel.

 


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