Spannende Südstaaten – USA 2017 / Tag 6

Mittwoch, 1.11.2017
/ New Orleans – Baton Rouge / 

Huch – der Himmel ist wolkig? Trotzdem ist es noch schön warm, als wir aus unserem wirklich tollen zweiten Hotel in New Orleans ausziehen. Tschüss Stadt des Jazz, hallo Plantagen und Geschichte. Schon relativ früh am Morgen lenke ich das SÜVchen in Richtung des Highway Nummer 18, der Great River Road, nach Norden. Immer hart am Mississippi entlang – auch wenn man ihn wegen der Dämme quasi nie sieht – geht es Richtung Baton Rouge. Das tolle an der Strecke ist weder die atemberaubende Natur, noch die Orte an denen man vorbeikommt. Genau genommen gibt es dort nur kleine Dörfer mit teils richtig abgeranzten Holzhäuschen oder im Gegensatz große Fabriken und Raffinerien zu sehen. Schön ist die Strecke also nicht unbedingt, aber wir sind wegen der Plantagen hier.

 

Erst mal zu Tarantinos bestem Blutbad
Die Route bis nach Baton Rouge hinauf ist gesäumt von ihnen. Richtig alte Südstaaten-Plantagen samt Herrenhäusern. Man braucht eigentlich immer nur auf der Straße zu bleiben und hat die Qual der Wahl. Wir versuchen heute so viel mitzunehmen, wie nur eben möglich. Schon eine Dreiviertelstunde nach der Abfahrt in New Orleans stehen wir vor der Evergreen Plantation. Also vor deren Zaun. Die nächste Führung mitmachen zu wollen würde 45 Minuten Wartezeit bedeuten. Das ist uns zu viel, dafür interessieren uns andere Plantagen mehr. Also muss ein Blick aus der Ferne reichen.

Evergeen Plantation

Übrigens: Wem sagt die Evergreen vom Foto her was… ? Ja, Du da hinten? Genau: Django Unchained. Auf dieser Plantage hier wurden eine Menge Szenen gedreht. Nur das Tarantino die Tatsache nicht schmeckte, dass hier eigentlich (bis heute) Zuckerrohr angebaut wird. Also machte er für den Film eine Baumwollplantage daraus. Nicht nur mit CGI, sondern auch mit sehr aufwendiger Handarbeit…

 

Hautnah an der Unmenschlichkeit der Sklaverei
Nach weiteren 15 Minuten rollen wir auf den Parkplatz der Whitney Plantation. Wir haben Glück – die nächste Führung (gegen Eintritt) startet gerade und wir sind als letzte Teilnehmer noch so eben mit von der Partie. Die Whitney ist heute nur noch ein lebendes Museum und deren Betreiber legen weniger Wert auf Südstaaten-Romantik als auf knallharte Fakten zur Sklaverei, ohne die der Betrieb solche Plantagen niemals möglich gewesen wäre. Unsere Führerin ist eine sehr große, schlanke und junge Schwarze, die sehr engagiert und ohne Punkt und Komma eine Stunde und 40 (sie überzieht zehn Minuten) über die Sklavenhaltung auf der Whitney und im Allgemeinen erzählt.

Das ganze ist nicht nur historisch sehr interessant, sondern natürlich auch erschreckend. Die noch sehr gut erhaltenen Sklavenunterkünfte sind ebenso zu sehen wie das Herrenhaus an sich, wenn auch die Möbel nicht mehr original sind. Am meisten aber beeindrucken die sehr plastischen Schilderungen unserer Führerin (leider habe ich mir den Namen nicht gemerkt) von den damaligen Arbeitsbedingungen, wie die Sklaven eingekauft wurden und welche schrecklichen Unfälle immer wieder geschahen. Auch Memorials, die an viele der Opfer von damals erinnern sollen, befinden sich auf dem Gelände.

Oak Alley Plantation: Herrenhaus

Nach dieser Tour ist der Kopf ganz schön voll. Doch es geht schon weiter – zwanzig Minuten später ist die Oak Alley Plantation erreicht. Die dürfte eine der bekanntesten der ganzen Südstaaten sein – eben wegen der herrlichen Oak Alley. Eine langer, schnurgerade Weg, der links und recht von mächtigen Eichen gesäumt wird. So groß und dicht, dass sie ein Blätterdach über dem Weg bilden. Und am Ende steht eines der schönsten Herrenhäuser des Südens. Ist schon ein ziemlich guter Anblick. Übrigens: Die Bäume wurden rund 100 Jahre gesetzt, bevor Plantage und Herrenhaus dort entstanden. Niemand weiß, wer sie warum dort gepflanzt hat. Da die Bäume 600 Jahre alt werden können, sind sie jetzt gerade im besten Alter.

Auch die Oak Alley ist eine Art Freilichtmuseum und bietet einen Blick auf die Sklavenunterkünfte. Jedoch scheint hier alles ein wenig „glatt gebügelter“ als auf der Whitney. Auch die Führung durch das Haus selbst ist interessant, man erfährt viel über seine Erbauer und Besitzer.

 

Im Stau am Unwetter vorbei
Nach zwei Stunden auf der Oak Alley haben wir alles gesehen und es fängt ein wenig an zu pieseln. Schnell ab ins Auto, denn die Houmas House Plantation and Gardens warten noch. Leider geraten wir auf der zweispurigen Straße am Mississippi in einen Stau. Mindestens eine halbe Stunde ist nur noch tuckern bei 3 Mp/h möglich. Und am Horizont färbt sich der Himmel so schwarz, dass es zwei Stunden vor Sonnenuntergang fast schon dunkel ist. Dazu ist es dezent schwül, aber das Unwetter will einfach nicht loslegen. Zumindest nicht da, wo wir sind. Eine Viertelstunde vor Schließung stehen wir erst am Houmas House und zahlen natürlich keinen Eintritt mehr. Schade, hat nicht geklappt.

Weiter geht die Fahrt also in Louisianas Hauptstadt Baton Rouge, oder – genauer gesagt – in Baton Rouge über den Mississippi und gleich am anderen Ufer in den Vorort Port Allen. Dort sind die Motelpreise einfach um die Hälfte günstiger gewesen. Dank Stau und einem Regen wie aus Eimern aufs Auto gekippt – irgendwann musste es bei dem Himmel ja mal losgehen – kommen wir erst gegen 18 Uhr in der Dämmerung an.

Das Motel (Hotel-Check wie immer nach der letzten Nacht in der jeweiligen Unterkunft) liegt direkt gegenüber von einer Tankstelle, einem Sex-Shop und ein paar Fast Food-Ketten. Doch wir hätten gerne Südstaatenküche zum Abendessen. Die Rezeptionistin empfiehlt uns das fünf Minuten entfernte Cou-Yon’s. Und Amen, ich sage Euch: hin! Ein Südstaaten-Barbecue mit eigenem Smoker, der ständig im Hinterhof vor sich hin qualmt. So ziemlich alles, was es dort an Fleisch gibt, wurde durch den Smoker gejagt und schmeckt himmlisch. Wir schaffen die Berge an Nahrung fast nicht, dabei schmeckt alles sowas von lecker! Die Preise sind übrigens ein Witz – dort wird man zu Zweit für 25 Dollar pappensatt.

 


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2 thoughts to “Spannende Südstaaten – USA 2017 / Tag 6”

  1. Schön beschriebener Blog, wir wollten eigentlich letztes Jahr eine ähnliche Tour machen. Vielleicht werde ich dieses Jahr mir die Plantagen und die mir fehlenden restlichen Südstaaten anschauen.

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