Northwest at it’s best – Reisebericht USA 2017 / Tag 2

TAG 2 / SEATTLE
Sonntag, 21.05.17

Heute ist Grunge-Tag und die Sonne knallt – perfekt! Bei einem Frühstück in der Wohnung mit Skyline-Blick fängt der Tag richtig gut an. Um halb zehn machen wir uns auf und schlendern die Straße hinunter bis zum Pop Museum. Dort werden wir Charity treffen, die uns auf einer ganz speziellen Tour in den großen Hype vor 25 Jahren zurück versetzen wird – in die Zeit des Grunge.

Die Tour hat mich als alten Fan von Nirvana, Pearl Jam & Co. so fasziniert, dass ich sie nicht an dieser Stelle „verstecken“ wollte – deswegen habe ich einen eigenen großen Bericht darüber geschrieben (klick!). An dieser Stelle hier geht es jetzt am frühen Nachmittag des Tages weiter.

Fliegende Fische
Der Pike Market ist ein „Must See“ in Seattle – und auch viele Einheimische gehen in den alten Markthallen einkaufen. Schön dort, aber letztlich nicht viel anders als in ähnlichen Hallen in Vancouver, Boston oder Los Angeles. Außerdem ist es brechend voll. Das herrliche Wetter lockt Himmel und Menschen nach draußen und alle scheinen heute am Sonntag im Pike Market dringend etwas einkaufen zu müssen. Das Highlight der Halle ist ganz klar der große Fischhändler am Eingang. Dort stehen auch die meisten Menschen. Alle paar Minuten liefern sich die Verkäufer eine kleine Show und werfen sich gegenseitig über viele Meter hinweg Fische zu – auch sehr große Kandidaten. Das ist ganz spaßig anzusehen.

Die Gum-Wall ist schon irgendwie eklig

Kaugummi-Wände
Eine Etage tiefer, gleich hinter dem Markt, findet sich die Post Alley. Eine kleine Gasse, deren Backsteinwände über und über mit Kaugummis zugekleistert sind. Die Gum-Wall wurde irgendwann Anfang der Neunziger „gegründet“. Immer mehr Leute pappten irgendwann ihre ausgelutschten Kaugummis an die Mauer und drückten eine Münze oder anderen Kram mit hinein. Die Wand wurde gesäubert, neue Kaugummis kamen, wieder Säuberung, wieder neue … irgendwann lies man es einfach bleiben und überließ die Mauern ihrem Schicksal. 2015 allerdings wurde noch einmal ein Versuch unternommen und alles mit Hochdruckreinigern blitzblank gestrahlt. Mehrere Tonnen Dreck kamen so zusammen. Ein paar Tage später klebten wieder die ersten Kaugummis. Mittlerweile ist schon wieder alles ordentlich zugepflastert. Das sieht skurril aus, keine Frage. Aber es ist auch eklig, stinkt und klebt. Wer sich hier keinen Kaugummi unter die Schuhsohle holt, der schwebt über dem Boden.

Hinter dem Markt laufen wir auf dem Pike Place am allerersten Starbucks der Welt vorbei. Genauer gesagt ist es ein Nachbau des allerersten Starbucks, denn das Original musste irgendwann der Abrissbirne weichen. Trotzdem steht eine Schlange von locker fünfzig Metern vor dem Laden. Beim Konkurrenten Tullys in der Nähe erstehen wir einen Mittagssnack und setzen uns damit in den Victor Steinbrueck Park. Dort lassen wir uns die Sonne auf die Nase scheinen und beobachten einige ziemlich bekloppte Straßenkünstler – na ja, eher dann doch einfach Verrückte.

Auf die andere Seite
Da es so heiß ist und wir keine Zeit verlieren wollen, winken wir einem Taxi und lassen uns zur Wohnung fahren. Dort hüpfen wir gleich in unser SUV-Schiff und treten die halbstündige Fahrt auf die andere Seite nach West Seattle an. Normalerweise geht es wohl schneller, aber der Verkehr ist trotz Sonntag relativ übel. Charity (die von der Grunge-Tour am Vormittag) gab uns den Tipp, dort beim Easy Street Record Store vorbei zu schauen. Ein besonderer Plattenladen, in dem schon einige Konzerte von großen Seattle Bands stattgefunden haben. Außerdem hat dort vor wenigen Tagen Pearl Jam-Bassist Jeff Ament höchstselbst einen kleinen Pop-Up-Store zum 25-jährigen der Band eröffnet. Die Schaufensterscheiben sind mit dem vor wenigen Tagen verstorbenen Chris Cornell geschmückt, auch auf der Straße und Schildern wird ihm gedacht. Der Store ist cool, aber das T-Shirt meiner Wahl gibt es nur noch in XXXL und ich brauche kein neues Nachthemd.

Freemont ist voller Skulpturen und einfach nett

Wir gehen einen weiteren Tipp von Charity an und fahren ins Viertel Freemont. Dort soll Sonntags ein schöner Straßenmarkt zu sehen sein, außerdem jede Menge Skulpturen und ein netter Kanal. Der Markt schließt gerade, als wir ankommen. Also schlendern wir am wirklich schönen Kanal entlang und zurück durch das Zentrum des Viertels. Sehr gemütlich und trotzdem lebendig dort. Viele alternative Kneipen, Restaurants, Clubs, normales und hippes Volk. Und an vielen Ecken stehen teils riesige Skulpturen. Da baut sich plötzlich eine Weltraumrakete vor einem auf oder man steht vor einer meterhohen Hecke, die in Form eines Dinos geschnitten wurde. Freemont ist einen Ausflug wert!

Das alte Gaswerk
Mittlerweile ist früher Abend und ich lenke den Nissan in Richtung Gas Works Park. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um ein altes Gaskraftwerk, dass mittlerweile als rostendes Industriedenkmal einfach so herumsteht und fotogen aussieht. Doch das wahre Highlight ist seine Lage: Direkt am Lake Union mit einem hervorragenden Blick auf die Skyline.

Gas Works Park und Lake Union

Große, hügelige Rasenflächen bieten jede Menge Platz zum Sitzen, Picknicken oder Football spielen. Und obwohl durch das Wetter sehr viele Menschen dort sind, ist es nicht überfüllt und auch Parkplätze hat es genug. Der Blick über den See ist genau mein Ding. Ich liebe Skylines! Ich liebe Schiffe! Ich liebe startende und landende Wasserflugzeuge! Diesen Park sollte man in Seattle unbedingt mitnehmen.

Wir sitzen lange hier, doch den Sonnenuntergang warten wir nicht ab, den wollen wir heute auf der Space Needle sehen. Außerdem haben wir Hunger. Tripadvisor führt uns zu einer kleinen Burgerbraterei in der Nähe, die das beste Pulled Pork in der Stadt haben soll. Leider ist sie fast ganz ausverkauft und es werden ordinäre Burger, die trotzdem sehr gut sind. Jetzt aber schnell nach Hause, die Sonne neigt sich schon bedrohlich dem Horizont. Wir parken vor der Tür unserer Wohnung und gehen zu Fuß zur 184 Meter hohen Space Needle. Schon der Eingangsbereich ist gut gestaltet, man erfährt vieles über die Geschichte der Nadel. Auf der Aussichtsplattform selbst steht man zum Glück draußen und hat keine Scheiben, welche das Fotografieren erschweren würden. Der Ausblick ist toll. Downtown liegt einem zu Füßen und auch Mount Rainier strahlt im Licht der untergehenden Sonne.
Wer nicht gerne so individuell unterwegs ist: Eine solche Stadt-Tour wie heute nachmittag lässt sich auch bequem im Van mit einem lokalen Führer erledigen.

Zurück in der Bude ist es schon halb elf und immer noch warm draußen. Wie gestern sitzen wir noch lange beim Bier auf dem Balkon und genießen die leuchtende Stadt.
Was für ein geiler Tag!

HOTEL-CHECK
… der ist dieses Mal ein Wohnungscheck. Die erste AirBnB-Unterkunft, die ich je gebucht habe, entpuppte sich als Volltreffer. Der gute Zac hat eine wundervolle Wohnung, die er seinen Gästen komplett überlasst, wenn er nicht da ist. Ausblick und Lage sind, wie mehrfach beschrieben, großartig und auch sonst ist alles da, was man in einer normal ausgestatteten Wohnung erwartet – von der Spülmaschine bis zum Entertainment-System mit Playstation. Sollte diese Unterkunft verfügbar sein unbedingt buchen. Man kommt besser und günstiger weg, als in einem Mittelklassehotel. Denn Seattle ist ein teures Pflaster!


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