Northwest at it’s best – Reisebericht USA 2017 / Tag 3

TAG 3 / SEATTLE – PORTLAND
Montag, 22.05.17

Ein immer noch brodelnder Vulkan, der vor 37 Jahren für eine Katastrophe gesorgt hat, ist heute unser erstes Ziel. Doch zuerst brodelt mal der Kaffee in Zac’s Küche. Zum zweiten aber leider schon zum letzten Mal frühstücken wir in unserer Air B’n’B Hütte mit Panorama-Skyline-Blick auf das sonnendurchflutete Seattle. Weiterreisen kann auch schade sein.

Dem Vulkan entgegen
Zwei Stunden fahren wir dem Mt. St. Helens über die Interstate 5 entgegen, nachdem wir uns winkend von Seattle verabschiedet haben. Quer durch die Stadt ist sie schön frei und auch dahinter erwarten uns an diesem Montagmorgen keine Stau-Überraschungen. Ein Navi braucht es eigentlich nicht – es geht immer der Interstate 5 entlang, bis es irgendwann auf die 504 Richtung des Vulkans abgeht. Und sofort wird es einsam auf dem Asphalt sowie ringsum grüner, höher und alpiner. Ein halbstündiger Ritt durch tolle Natur später stehen wir vor dem Forest Learning Center des Mount St. Helens. Sozusagen einem ersten Besuchercenter.
Der Blick auf den Vulkan ist schon von hier aus toll. Drinnen im Shop wärmen sich zwei Angestellte gerade ihr Mittagessen auf. Nein, die Ausstellung habe leider noch Winterpause (Ende Mai!), öffne erst nächste Woche wieder, nur der Shop sei offen. Hmn, nehmen wir eben ein Snickers und ’nen Kaffee mit und fahren weiter.

Abspann besser als der Film
Die Strecke wird noch kurviger aber nicht weniger schön, der explodierte Berg kommt immer näher. Knappe zwanzig Minuten später parken wir an der Endstation der Straße – dem Johnston Ridge Observatory. Auch wenn die Sonne wärmt und ein T-Shirt völlig ausreicht, türmen sich direkt neben dem Parpkplatz meterhohe Schneeberge auf, die leise tropfend vor sich hinschmelzen. Nur fünf Meilen ist man hier noch vom Mt. St. Helens entfernt und die Aussicht ist mörderisch schön. Aber wir gehen erst ins Observatorium hinein, der Eintritt ist übrigens frei bzw. auf Spendenbasis. Idealerweise startet schon in zwei Minuten die nächste Filmvorführung im großen Kino, die geben wir uns doch mal zuerst.

Viel Neues erfährt man dort nicht, wenn man die Geschichte des Ausbruchs kennt. Allerdings gibt es ein paar spektakuläre Aufnahmen zu sehen. Mal in Kurzform für alle Unwissenden: Nach wochenlangen Erdbeben und anderen Vorboten brach der Mount St. Helens im Mai 1980 sehr heftig aus – und zusammen. Er sprengte sich seine eigene Spitze weg und schrumpfte so von 2950 auf 2549 Meter Höhe. 500 Quadratkilometer der glücklicherweise dünn besiedelten Umgebung wurden verwüstet, 57 Menschen kamen dennoch bei dem Ausbruch ums Leben, die Asche stieg bis auf 18 Kilometer hinauf.

Zoomt man näher an den Mount St. Helens heran, sieht man immer noch die Auswirkungen des Ausbruchs

Tausende tote Bäume
Nachdem der kurze Film vorbei ist, folgt das eigentlich Highlight. Der Abspann läuft im noch dunklen Saal, die Leinwand gleitet nach oben, die ersten stehen auf. Und dann öffnet sich plötzlich der Vorhang hinter der Leinwand und offenbart eine riesige Fensterfront mit einem direkten Blick auf den Mount. Ein Wow-Moment. Gleich im Anschluss hält einer der Ranger draußen auf der Aussichtsterrasse einen interessanten Vortrag über den Ausbruch. Fun Fact: Der Typ sieht original aus wie Darwin Deez, nur eben mit Rangerhut. Anschließend spazieren wir noch eine Anhöhe hinauf, von der aus man auch die Umgebung gut im Blick hat. Auf den Hängen ringsum liegen immer noch tausende Baum-Skelette, die vom Vulkanausbruch umgepustet wurden. Auch die Wege der Schlammlawinen von damals sind sehr gut sichtbar.

Etwa zwei Stunden haben wir am Mount verbracht, als die Straße uns wieder hat. Zurück auf der I5 bleibt die Fahrt bis Portland eher unspektakulär. Aus der Ferne sieht die Skyline fast lustig aus – so klein und putzig. Schon komisch wenn man bedenkt, dass dort fast so viele Menschen leben wie in Seattle. Es geht direkt durch zum Motel, dem Quality Inn Downtown Convention Center. Eben am Convention Center und damit schön nah zu Downtown gelegen. Es war vor einigen Wochen bei der Buchung eines der wenigen bezahlbaren Motels in Portland (unser Richtwert lautet nur im Ausnahmefall mehr als 100 Euro/Nacht für ein Doppelzimmer). Die Bewertungen lasen sich eher nicht so doll, aber man braucht ja nur ein Bett. Doch für dieses Haus werde ich weder Hotel-Check noch Booking-Link hier absetzen: Sucht woanders. Ehrlich. Es stank und war nicht wirklich sauber.

40°C Grad und kaum Menschen

Wo seid ihr denn alle?
Wir machen uns gleich mit der nahen Tram auf den Weg in die Stadt und steigen nach ein paar Stationen an der Waterfront aus. Ein bisschen wollen wir Portland schließlich auch kennen lernen, selbst wenn es nur ein Übernachtungsziel ist.  Es ist untypisch heiß für diese Jahreszeit. Am Hotel waren es vorhin fast 40 °C! Wir laufen ein wenig am Columbia River entlang und beobachten den Aufbau einer Kirmes am Ufer. Wie bei uns – die gleichen Buden, die gleiche hässliche Airbrush-Bemalung, Autoscooter, Schießbude … Schnell sind wir am Pioneer Courthouse Square angelangt und wundern uns über die kurzen Entfernungen in der Innenstadt. Der Square wird gerade wohl renoviert und ist komplett gesperrt. Die Straßen selbst sind auch sonderbar leer. Wo sind all die Menschen? Klar, es ist ein Wochentag und megaheiß, aber trotzdem. Kaum Autos, kaum Leute, selbst die Bars sind leer. Obdachlose allerdings sehen wir genug, was kein Wunder ist, denn in einem kleinen Park laufen wir quasi durch eine Freiluft-Armenküche, die gerade ihr Abendessen-Angebot aufbaut. Aber auch so liegen viele Homeless People vor den Läden und auf der Straße herum.

Stromausfall und Bier-Tasting
An einem kleinen Platz, auf dem sich viele der für Portland so berühmten Food Carts knubbeln, ist auch schon tote Hose angesagt. Nur ein paar haben noch offen, aber nichts mehr im Angebot. Kunststück – in diesem Teil der Stadt herrscht wohl gerade ein totaler Stromausfall. Wir latschen weiter, vorbei an schönen Brunnen in ziemlich ähnlich aussehenden Straßen, bis wir den Pearl District erreichen. Hier ist es netter – kleine Bars, ältere Häuser, Wandgemälde – so hab ich mir Portland auch vorgestellt. Aber auch hier: kein Strom. Wir fragen ein Pärchen nach einer guten Empfehlung für’s Abendessen und werden zur Fat Head’s Brewery geschickt, die wir irgendwann denn auch finden. Ein riesiger Laden, der gleichzeitig eine Brauerei ist und dementsprechend viele eigene Biersorten im Programm hat. Und offenbar auch wieder funktionierende Steckdosen. Übrigens: Portland ist berühmt für seine Mikro-Brauereien. Bier Fans haben hier richtig was zu tun 😉

Beer Tasting in der Fat Head’s Brewery

Immer noch sind es 35 Grad (um halb acht!) und wir sind froh, einen Platz an der Straße zu ergattern. Die Burger hier sind großartige Kreationen, ich hatte einen Asiaburger mit Kimchi. Und bei so vielen Biersorten (die Braukessel kann man auf dem Weg zum Klo besichtigen) kann ich auch nicht verzichten. Erst recht, wo wir mal ohne Auto unterwegs sind. Ich lasse mir ein Tasting-Brett liefern mit fünf ausgesuchten hausgemachten Sorten. Sehr interessant (und lecker!) Wir bleiben also länger dort sitzen und machen uns erst auf, als es schon ganz dunkel ist. Die Rechnung war übrigens mehr als angemessen. Stimmt: Wir sind hier ja in Oregon – und dieser Bundesstaat hat keine Sales Tax, also quasi keine Mehrwertsteuer!

Taxi findet mehr Fahrgäste doof
Nach einem kleinen Supermarkt-Einkauf schlendern wir einmal durch den Pearl District bis zur Tram-Haltestelle an der Broadway Bridge. Von hier soll um 23.20 Uhr die letzte Bahn rüber in Richtung Hotel fahren. Tut sie aber nicht. Hmn, Taxi? Aber die Straßen sind noch leerer als vor ein paar Stunden … Es dauert sehr lange, bis eines erscheint und auch hält. Der Fahrer will eigentlich Feierabend machen und winkt ab, nimmt uns dann aber gnädigerweise doch noch mit auf die andere Seite des Columbia. Dabei erzählt er uns, dass die Portländer eigentlich geheimhalten wollten, wie nett es bei ihnen ist. Verdammtes Internet. Jetzt würden immer mehr Leute herziehen und mehr Touristen kämen auch. Alles werde teurer. Warum sich ein Taxifahrer über mehr Geschäft ärgert, hat uns dann nicht ganz eingeleuchtet. Im muffigen Motel wird dann bei angenehm klimagekühlten 23 Grad noch durch die Lateshows gezappt. Ich liebe Steven Colbert!


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