Wandelbares Andalusien – Ein Reisebericht / Tag 5

TAG 5 / TARIFA – GIBRALTAR (UK) – TARIFA
Donnerstag, 30.05.

Wieder wachen wir bei strahlendem Sonnenschein auf. Es ist zwar leicht wärmer, aber immer noch sehr windig draußen. Frühstück auf der Terrasse mit Blick in den Garten kann man daher knicken. Heute soll es für einen Kurztrip nach England gehen. Gibraltar liegt laut Navi 45 Minuten von unserer Finca entfernt, das wollen wir natürlich sehen!

Schöner Aussichtspunkt auf dem Weg nach Gibraltar

Nach zehn Minuten Richtung UK findet sich ein toller Aussichtspunkt hoch oben auf einem Berg, hier machen wir gleich mal die ersten Pause und gaffen in Richtung Afrika. Nach weiteren zehn Minuten Wegstrecke fällt uns auf, dass unsere Personalausweise noch im Hotel liegen … Also zurück. Aber auch beim zweiten Anlauf ist die Landschaft rundherum noch schön und der Ärger über meine Schusseligkeit verfliegt schnell. Schon von weitem kann man Gibraltar sehen und die Strecke ist tatsächlich nach 45 Minuten geschafft. Allerdings wartet eine Mega-Autoschlange auf Einlass ins Königreich! Da bleibt nur im Auto zu schmoren und abzuwarten, auch wenn es hier 26°C hat statt den frühlingshaften 18°C vorhin beim Frühstück. Scharen von Bettlern und Verkäufern ziehen an den Autoschlangen vorbei, daher lässt man das Fenster besser oben. Nachdem mir dann auch noch eine etwas kopflose ältere Dame hinten drauf getitscht ist (ist aber nix passiert), erreichen wir nach einer guten halben Stunde die Grenze. Kurz den Perso hoch zu halten reicht schon und wir werden durchgewunken.

Hello England! Zur Begrüßung quert man die Start- und Landebahn des Flugplatzes von Gibraltar. Abgesichert nur durch eine Schranke und eine Ampel. Das ist schräg – Wenn hier Passagiermaschinen aus London starten oder landen, wird die Straße wie bei einem Bahnübergang gesichert. Die Innenstadt ist – irgendwie logisch – total verbaut und leider auch recht hässlich. Jeder noch so winzige Flecken der kleinen Insel wurde ausgenutzt, die Stadt wächst in die Höhe. Die Straßen sind teilweise sehr eng, die Verkehrsführung abenteuerlich, dafür wird aber gefahren wie Sau.

Wir schlagen uns zuerst bis an die Südspitze durch, den „Europa Point“ (nicht „EuropE Point“, wie man meinen könnte). Der liefert einen sehr, sehr windigen aber tollen Ausblicke auf Afrika, den Leuchtturm Gibraltars und die einzige Moschee der Insel. Außerdem sehen wir Dutzende Riesenkähne, die wahlweise Gibraltar oder den nahen spanischen Hafen Algeciras ansteuern oder einfach nur die Meerenge passieren wollen. An dem wohl erst vor zwei Jahren eröffneten Europa-Point befindet sich dann noch ein gesichtsloser Spielplatz und – na klar – ein kleines Restaurant. Das Angebot nutzen wir für ein frisches Kaltgetränk. Hier gibt es alles, was Engländer glücklich macht, vom Cornish Pastry über Fish & Chips bis hin zu Porridge.

Immer skeptisch, aber auch immer schwindelfrei

Nach einigen verwirrenden Straßenschluchten und abenteuerlichen Wendemanövern erreichen wir danach den Parkplatz der Seilbahn, die 420 Meter hoch auf den Felsen fährt. Der ist sogar kostenlos, dafür schlagen die Tickets für die Bahn mit 14,70 Euro pro Person zu Buche, nicht schlecht. Hier unten in der Innenstadt ist es ohne den Wind wieder richtig sommerlich heiß. Die Wartezeit auf die Bahn ist kurz, aber lang genug, um draußen in der Gosse eine Mega-Ratte zu beobachten. Im Wartebereich der Bahn hängen viele spaßige Schilder, die vor Kontakt mit den zahllosen Berberaffen warnen, die auf dem Felsen leben. Die sind wohl recht rüpelhaft, klauen den Touristen gerne Dinge (nicht nur Nahrungsmittel) und beißen auch gerne mal zu wenn sie zu genervt werden.

Innerhalb von sechs Minuten ist man oben – Der Ausblick ist fantastisch. Und wirklich – hier sind überall Affen unterwegs, die sich in ihrem Alltag mal so gar nicht von den blöden Menschen stören lassen. Trotz der Warnungen versucht jeder Touri (wohlgemerkt außer uns!) ein Foto mit einem der Tiere hinzubekommen. Ganz Mutige sogar inklusive Kopf tätscheln oder streicheln (sogar bei Müttern mit angeklammerten Babyaffen!) Leider wird niemand gebissen.
Die Aussicht von hier oben ist einfach atemberaubend. Meine absolute Nummer Eins in diesem Urlaub Wenn Tausende Möwen gleichzeitig vom Felsen weg aufs offene Meer fliegen, sind sie kaum noch von den Wellenkämmen zu unterscheiden. Die erste Zeit da oben ist es einem sogar ein bisschen schwummrig, da die 420 Meter einfach steil heruntergehen und das Auge sich an nichts anderem festhalten kann, als am Meereshorizont. Wir beobachten sogar eine weitere Landgewinnungsmaßnahme, können zusehen, wie ein für uns winziges Schiff offenbar große Felsen anliefert, die von einem winzigen Bagger ins Meer bugsiert werden. Auf der anderen Seite wirken die riesigen Tanker wie Spielzeug, wenn sie die enge Meeresstraße passieren. Zwei Stunden gucken wir nur herum und kraxeln noch ein bisschen den Felsen hoch, bis wir schließlich wieder runter fahren. Alleine für diese Aussicht hat sich die Fahrt nach Gibraltar gelohnt!

Später cruisen wir mit dem Auto noch ein bisschen durch die „Altstadt“ – Sehr englisch sieht es hier nicht aus, trotz Pubs & Co. Zurück auf der Start-/Landebahn und somit der Grenze werden wir wieder von Stau empfangen. Man wird abenteuerlichst durch eine Art Warteschlange gelotst – ein Irrgarten durch mehrere Straßen, rauf und wieder runter. Fast wie im Phantasialand vor den großen Fahrgeschäften, eben nur mit dem Auto. Die original aussehenden, helmtragenden Bobbies lotsen den Verkehr ohne mit der Wimper zu zucken. Irgendwie haben sie es geschafft, trotz südlicher Sonne kalkweiß zu bleiben. Nach 45 Minuten sind wir endlich dem Irrgarten entronnen. Kurz vor der Ausfahrt lesen wir Entschuldigungsschilder die erklären, dass die Staus nur durch die spanischen Grenzbeamten entstehen, die die Ein- und Ausreise nach Gibraltar absichtlich verzögern würden. Ein weiteres Schild ruft zur schriftlichen Beschwerde aller Einwohner und Touristen in Brüssel auf.

In Tarifa zurück machen wir uns kurz im Hotel frisch, um gleich danach nochmal zum südlichsten Punkt zu fahren. Dort genießen wir den Sonnenuntergang über dem Atlantik, der die Berge von Marokko rot glühen lässt. Nach einer Stunde vom Wind durchgepustet laufen wir frierend in die Stadt zu einer Tapasbar die uns von unserer Gastgeberin empfohlen wurde. Im „Lola“ ist es sehr voll, sehr lecker und sehr günstig. Da müssen wir morgen wieder hin. Zum Abschluss vergesse ich mal eben noch meinen Fotorucksack unter dem Tisch, kann ihn aber eine Viertelstunde später wohlbehalten abholen. Auch wenn dieser Tag mit Vergesslichkeit startete und endete – zum Vergessen war er mal absolut nicht!

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