Reisebericht Japan 2016: Back to Nippon / Tag 10

TAG 10 / OSAKA – NARA – OSAKA
Samstag, 30.04.

Kleine Kinder und große Buddhas

Der Tag beginnt mit einer Enttäuschung beim Frühstück – ausschließlich japanisches Buffet und das auch schon fast leer. Was für ein Glück, das direkt am Hotel ein „7Eleven“ sitzt, der uns mit Gebäck und Kaffee versorgen kann. Yuki an der Rezeption ist sehr nett, erklärt uns mit Händen und Füßen den Weg nach Nara und bestellt auch gleich ein Taxi zum Airport für morgen früh. Für ihr Hotel kann se ja nix.
Der Weg nach Nara ist einfach zu finden. Gleich vor dem Hotel hüpfen wir in die Yotsumbashi-Line, fahren zwei Stationen bis Namba und besteigen dort den tatsächlich einfach zu findenden Regionalexpress nach Nara. Nach einer guten halben Stunde Fahrtzeit stehen wir in Nara-Station. Eine Touri-Info am Bahnhof versorgt einen mit allem, was man braucht.

Todai-ji

Der Fußweg zum Eingang des Parks bzw. dem Tempelbezirk dauert gute zwanzig Minuten, immer geradeaus an der Hauptstraße lang. Irgendein Plastikteil, eine Art „Nagelbrett“ mit vielen Spitzen, liegt auf der Straße und einige Autos fahren krachend darüber. Kann nicht gut sein für die Reifen. Als wir auf der Höhe von dem Ding sind springe ich fix auf die Fahrbahn und kicke das Teil mit dem Fuß in den Graben. Plötzlich steht hinter mir ein älterer Herr, verneigt sich anerkennend und applaudiert mir 😉
Im Eingangsbereich des Tempelbezirks halten wir an einem See erst mal ein kleines Picknick ab und gucken kleinen Jungs beim Spielen zu. Japaner sind ja – so wie hier schon oft beschrieben – übervorsichtig, aber wenn wie hier viele Kleinkinder an einem See und über Felsen herumtollen vertraut man offensichtlich auf Gott. Erwachsene Aufsichtspersonen quasi Fehlanzeige.

Bevor wir uns den ersten Tempel zu Gemüte führen können, werden wir von zwei Grundschulkindern interviewt. Sie sind höchstens 6 bis 8 Jahre alt und fragen auf Englisch nach unserer Lieblingsfarbe, was wir an Japan mögen, welches Auto wir fahren und so weiter. Total süß. Eine Lehrerin erklärt uns, es handele sich um ein Schulprojekt. Drei mal „müssen“ wir verschiedenen Grüppchen ähnliche Fragen beantworten. Teilweise sind die Minis sehr aufgeregt und stottern ein wenig. Für jedes Interview bekommt man einen selbstgebastelten Papierstern als Dankeschön geschenkt. Zucker, die Kleinen!

Der riesige Todai-ji Tempel mit dem großen Buddha ist sehr beeindruckend. Vor allem natürlich die Buddha-Statue. Allein seine Handfläche ist so groß wie ein Erwachsener. Beim Tempel selbst soll es sich um die größte Holzkonstruktion der Welt handeln. In Kyoto steht auch die größte Holzkonstruktion der Welt, ebenfalls ein Tempel. So haben wir es vor zwei Jahren vor Ort vom Fremdenführer erfahren. Dann haben wir ja jetzt beide Rekordhalter gesehen 😉 Auch hier beobachten wir wieder ein Hochzeitspaar. Eine Attraktion des Tempels ist aber eher am Rande zu sehen – eine Holzsäule mit einem kleinen Loch. Offensichtlich bringt es Glück, dort hindurch zu krabbeln. Aber es ist so klein, dass das nur Kinder schaffen. Die stehen daher Schlange vor der Säule und auf der anderen Seite stehen die Eltern mit gezückten Kameras Schlange. Entzückend!

Nara-Reh: Was guckst Du?

Hier verneigen sich sogar die Rehe

Draußen setzen wir uns ein wenig in die schön warme Sonne und genießen die Umgebung, als uns plötzlich ein ziemlich großer Rabe in einem unbemerkten Moment die Plastiktüte mit den Picknick-Resten stibitzt und damit davon fliegt. Blödes Vieh! Wir sammeln den verstreuten Müll im Umkreis von hundert Metern wieder ein und widmen uns lieber den putzigen Rehen, die hier überall herumlaufen. Sie sind irgendwie „freundlicher“ und weniger fordernd als auf der Insel Mijayima. Und: Sie verneigen sich sogar mehrmals, wenn man ihnen nahe kommt und sie Essen wittern. Ohne Quatsch! Auf einer Anhöhe kommen wir zum Todaiji Nigatsudo, der nicht nur eine tolle Aussicht, sondern auch eine großartige Atmosphäre bietet. Nicht nur, weil hier immer wieder die Gebetsglocke geschlagen und laufend zu den Shinto-Göttern gebetet wird oder Mönche herumlaufen – das Gebäude ist einfach schön, die Sonne strahlt und es herrscht eine ganz besondere Stimmung. Mir hat es besonders die Rückseite angetan. Aber was tipp ich das – dafür gibt’s ja hier auch noch Fotos.

Wir stromern noch lange herum, setzten uns danach in einen Park und wundern uns über Teenie-Mädels, die jede für sich mit Selfiestick wie bekloppt hunderte Fotos von sich selbst schießen. Dazwischen spielen Kinder oder hoppeln Rehe. Nur langsam raffen wir uns auf, um zum Bahnhof zurück zu spazieren. Sechs Stunden sind in Nara vergangen und als wir wieder in Osakas Namba-Station ankommen, steht die Sonne schon tief. Nachdem wir lange eine Bank suchen mussten, die unsere Kreditkarte akzeptiert, besuchen wir zum Abschlussessen in Japan eine Wa-Ta-Mi Filiale.

Die Dotonbori in Osaka

Vor dem Restaurant erleben wir noch eine kleine Gruppe japanischer Christen, die an einer Kreuzung lautstark für Jesus demonstriert.
Im Wa-Ta-Mi gibt’s noch mal unsere Highlights von der Karte (die fast exakt die selbe ist wie in Tokyo) und dann schlendern wir noch ausgedehnt durch das nächtliche Osaka zurück zum Hotel, vorbei an der Dotonbori und der America Avenue. Wir versuchen uns sogar einmal in einer Pachinko-Halle, verstehen aber wirklich keinen Meter, wie dieses eigentlich einfache Spiel funktionieren soll. Klar, ist ja auch alles auf japanisch.

Im Hotel ist erst mal Packen angesagt und das ist gar nicht so einfach. Morgen früh düsen wir mit „Peach“, einer japanischen Billig-Airline, gen Hong Kong und die Gepäckvorgabe ist 20 Kilo pro Koffer. Die Lufthansa erlaubt aber 23 Kilo. Nachdem das Unmögliche geschafft ist, verabschiede ich unser treues WiFi-Ei, dass uns die letzten zehn Tage mit mobilem Internet versorgt hat. Es muss wieder an den Verleihdienst zurückgeschickt werden. Ein Rückumschlag lag netterweise bei, fehlt nur noch ein Briefkasten. Also an die Rezeption. „Pardon me, do you know where the next post office is?“„Ah? Poust?“„Yes, Post!“ (Ich zeige den Briefumschlag und mache eine einwerfende Geste). Ratloses Getuschel mit den Kolleginnen. Dann wieder. „Poust?“ Ich: „Yes, I want to send away this envelope“ (wieder die Geste). Langsam dämmert es den Mädels. „Ahhh! Posto!?“ Es klingt exakt wie das englische „Post“, aber eben mit einem „o“ am Ende. Jetzt haben sie verstanden und zeigen mir auf einer Karte eine nur 500 Meter entfernte Post mit Briefkasten. Lustig, dass die Rezeptionistinnen von diesem modernen, großen Hotel weniger englisch sprechen als die kleinen Schüler von heute morgen. Dafür winken sie aber zu dritt in einer Reihe und kichern, wenn man ihr freundliches „Guten Abend“ auf japanisch erwidert und verneigen sich jedes mal vor dem sich schließenden Aufzug.
Man kann nicht alles haben.

Nach einem letzten japanischen Whisky geht es früh ins Bett, um 5.15 Uhr soll unser Taxi zum Flughafenbus vor der Tür stehen. Und morgen Mittag sind wir dann in Hong Kong! Yeah! Trotzdem spüren wir auch ein bisschen Wehmut. Japan ist schon sehr toll und wir sind jetzt wieder so eingegroovt, dass wir glatt noch zwei Wochen hier herumreisen könnten.

HOTEL-CHECK
Das Super Hotel Lohas Honmachi war fast eine Kapselhotel-Erfahrung. Dafür aber teuer: Wir zahlten über 150 Euro die Nacht für ein Standard-Zimmer. Andererseits: Dieses Hotel war in Downtown Osaka das absolut günstigste, das ich finden konnte. Und so gesehen war es fast ein Schnäppchen. Wir haben schon einige Hotelzimmer in Japan gesehen, auch winzigkleine, aber das hier war die Krönung. Ein Doppelbett und ein japanübliches Minibad. Punkt. Unter dem Bett ein winziger Kühlschrank und zwei herausziehbare Elemente: eine große Schublade und ein „Schreibtisch“. Dazu gab es einen Klappstuhl für den Boden ohne Beine. Wohin zwei Personen ihre Koffer stellen sollen? Keine Ahnung, hatten wir auch nicht. Der Onsen ist recht hübsch und das Personal sehr, sehr freundlich und hilfsbereit. Leider sprach nur eine Mitarbeiterin am Empfang gebrochenes Englisch, Verständigung also etwas schwierig. Ganz neues Hotel, das sieht und riecht man. Alles sehr sauber, Empfang freundlich, das Ambiente in allen öffentlichen Räumen sehr schick. Man kann sich sogar Kissen aussuchen und für Frauen gibt es kostenlose Pflegeprodukte zur Auswahl. Die Verkehrsanbindung ist auf jeden Fall super – direkt vor der Tür befindet sich der Eingang zu einer Metro-Station.

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