Reisebericht Provence/Südfrankreich mit dem Wohnmobil / Tag 1-4

TAG 1 / KÖLN – BULGNEVILLE
25.05.2009

Wie immer bei Wohmobil-Touren – bevor es losgehen kann, ist packen und einräumen angesagt. Um 14 Uhr können wir den Adria beim Vermieter in Kall/Eifel abholen und stehen eine Stunde später vor unserer Wohnung in Köln. Es ist sehr warm und schwül, somit schwitzen wir nicht wenig, bis „unser“ Womo startklar ist. Kurz vor der Abfahrt gibt’s ein sehr heftiges Gewitter das wir noch abwarten. Als wir gerade los wollen, bemerke ich eine große Pfütze Wasser, die sich ihren Weg unter dem Mobil her bahnt und immer größer wird. Was ist DAS? Loch im Wassertank?

Ein Anruf beim Vermieter klärt die Sachlage – Wegen des großen Temperatursturzes im Gewitter hat sich das Ventil der Heizung geöffnet und alles Wasser aus dem Heizsystem abgelassen, damit es nicht „einfriert“. Diese Sicherung ist wohl eher für den Winter gedacht, aber bei dem heftigen Temperatursturz kann das auch mal im Sommer passieren. Also einfach das Ventil (hinter einer kleinen Klappe versteckt) wieder nach oben ziehen und das Problem ist gelöst. Jetzt läuft zwar fast der gesamte Frischwassertank in die Heizung um sie wieder aufzufüllen, aber wir haben ja gerade erst geduscht. Die unspektakuläre Fahrt zur Zwischenübernachtungsstation in Bulgnéville, einem kleinen Örtchen in den Vogesen, verbringen wir mit einem Hörbuch. Der dortige Stellplatz ist gegen 01.00 Uhr erreicht. Nett, auf Asphalt und außer einem weiteren Womo verwaist. Noch zwei Bierchen am wenige Meter entfernten kleinen See bei lauen Temperaturen und dann geht’s ab ins Bett.

 

TAG 2 / BULGNEVILLE – SISTERON
26.05.2009

Um neun schälen wir uns aus dem bequemen, 1,40m breiten Bett und machen Frühstück. Ein bedeckter Himmel und leichter Nieselregen erwarten uns draußen – und die Stellplatz-Kontrolleuse, die uns sechs Euro abnimmt. Dafür halten wir uns natürlich noch schamlos am Wasserhahn des Stellplatzes und tanken erst mal wieder ordentlich auf bevor es weiter in Richtung Provence geht. Das Ziel ist Sisteron, eines der „Tore“ zur Provence. Bis dahin wollen aber noch 600 Kilometer Strecke gemacht werden, größtenteils über eintönige Autobahn. Dazu pladdert es auch noch fast am Stück während der gesamten Fahrt. Für die letzten anderthalb Stunden Strecke wechseln wir auf Landstraße und prompt hört der Regen auf. Dafür bekommen wir jetzt tolle Panoramen der Voralpen serviert – und natürlich dementsprechende Straßen mit ordentlich Serpentinen. Der im Womo-Tourguide als laut aber schön angegebene Stellplatz mitten in Sisteron ist tatsächlich schön aber laut! Er liegt direkt an einer vielbefahrenen Straße.

Über der Durance in Sisteron wird’s gewittrig

Sisteron selbst wird von einem mächtigen Felsen „bewacht“ und von der unwirklich türkis-schimmernden Durance durchflossen. Das Städtchen ist nett, aber nicht spektakulär. Dennoch bekommen wir schon ein bisschen mediterranes Aroma um die Nasen geweht – und es ist warm, wenn auch ein Gewitter droht. Nach etwa anderthalb Stunden Stadtbummel entscheiden wir uns für den Campingplatz in der Nähe (Les Prés Hauts), weil der Stellplatz wirklich gar nicht geht. Der Camping ist ganz nett, günstig und unweit der Durance. Wir erwischen einen Platz mit Bergblick vor einer Wiese mit unglaublich vielen zirpenden Zikaden.

Unser erster Camping in Sisteron

Die Duschen allerdings sind nicht so prickelnd. Spaßig aber das Blatt, das wir beim einchecken bekommen haben. Es beschreibt genau, wie man sich bei einem Unfall im örtlichen Chemiewerk zu verhalten hat: „Wenn Sie das Alarmsignal hören, begeben Sie sich in Ihren Caravan, schließen Sie die Fenster und schalten Sie Ihre Lüftung aus. Hören Sie dann Radio soundso auf Mittelwelle-Frequenz soundso und warten Sie auf weitere Anweisungen“. Aha. Ob die ihre Anweisungen dann wohl auch auf Deutsch oder Englisch verlesen? Der Abend endet bei selbstgekochtem Nudel-Gehamse, ein paar Bieren und einigen Runden „Mäxchen“.

 

TAG 3 / SISTERON – LES SALLES-SUR-VERDON
27.05.2009
Von der Sonne geweckt. Ein Camper-Klischee, aber wahr! Und sofort ist es warm, um acht Uhr morgens. Mit frischem Baguette und Croissant von der Rezeption prächtig in den Tag gefrühstückt. Danach zum ersten Mal das lustige Klokassetten-Schleppen zwecks Entsorgung unserer organischen Abfälle und rauf auf den Bock in Richtung Montagne de Lure, den zweithöchsten Berg der Provence, der fast bis zum Gipfel befahrbar ist – immerhin 1826 Meter hoch! Je näher wir dem Berg kommen, umso enger werden die Straßen. Als es schließlich so richtig die Serpentinen rauf geht, ist die Straße gerade so breit wie unser Womo – Dazu alle 50 Meter eine 90 bis 180°-Kurve, dichter Baumbestand links und rechts und heftige Steigungen in der Straße. So geht es eine gute halbe Stunde lang.

Nur nebenbei erwähnt: Das Womo ist kein Riese unter seinesgleichen, aber immerhin knapp sechs Meter lang und 2,70 Meter hoch. Und ich fahre normalerweise einen Kleinwagen… Trotz der ständigen „Hoffentlichkommtunskeinerentgegen“-Stoßgebete können wir die wirklich tolle Aussicht genießen, erst recht als wir die Baumgrenze erreichen. Von dort aus sind es auch nur noch fünf Minuten bis unter den Gipfel – zum Glück gibt’s dort einen großen Parkplatz. Als wir uns zu Fuß bis nach ganz oben durchgekeucht haben, erwartet uns ein unglaublicher Ausblick bis weit in die Alpen (und bestimmt auch schon nach Italien) hinein. Wir können uns kaum satt sehen, stiefeln aber doch irgendwann wieder runter, parken das Mobil allerdings in eine gute Aussichtslage und machen erstmal eine Kaffeepause auf 1800 Metern. Es ist deutlich kühler da oben und wir kramen die Pullis raus. Etliche Fotos später geht es an die Abfahrt – bequemer und mit breiteren Straßen als auf der anderen Seite des Berges.

Alpines Päuschen am Montagne de Lure

Das nächste Ziel ist Moustiers-Sainte-Marie, 90 Kilometer entfernt. „Kiki! Keine Strecke!“ – Falsch gedacht. Knapp zwei Stunden quälen wir uns über kleine „D“-Straßen (ich nehme an „Departement“-Straßen, also mit unseren Landstraßen zu vergleichen) durch Berg und Tal. Immerhin stimmen die Aussichten – ich weiß nicht mehr, an wie vielen Legionen von Klatschmohnwiesen wir vorbei gefahren sind – natürlich malerisch im Wechsel mit Weizenfeldern und/oder Bächen und/oder Lavendelfeldern. Trotzdem nervt die Kurverei irgendwann. Im Bergort Moustiers mit Ach und Krach einen Parkplatz gefunden, ist alles sehr eng da. Der Ort selbst ist unglaublich – Er klebt regelrecht zwischen zwei Steilhängen, die von einem goldenen Stern überspannt werden (der Legende nach von einem Kreuzritter in Zwölfhundertschlagmichtot dort aufgehangen, weil er unversehrt aus dem Krieg in sein Heimatdorf zurückkehrte). Natürlich wird er regelmäßig erneuert, wenn im Winter der böse Mistralwind pfeift und ihn runterpustet. Jedenfalls wurde für diesen Ort das Wort „pittoresk“ erfunden.

Ansichten aus Moustiers

Die Kapelle ganz oben auf dem Berg, die Wasserfälle, der bewachsene Kirchturm – Man könnte schreien, so schön ist das hier. Fast kitschig. Natürlich fallen wie wir täglich Horden von Touristen ein und dementsprechend präsentieren sich Cafés und Nippesläden en masse. Aber egal – muss man gesehen haben! Nach zwei Stunden brechen wir auf nach Les Salles-sur-Verdon, gelegen am Lac de Saint Croix, einem Stausee, der 1974 angelegt wurde um dem Gebirgsfluß Verdon als Trinkwasserspeicher nutzen zu können. Das alte Les Salles-sur-Verdon mußte damals in den Fluten untergehen und wurde am neuen Seeufer neu errichtet. So sieht es auch aus – kein Vergleich zum wenige Kilometer entfernten Moustiers. Also schnell in den örtlichen Mini-Supermarkt und Lebensmittel besorgt. Anschließend rollen wir auf den „Les Pins“-Camping. Schön, mit Seeblick, vielen Hecken und Bäumen und nahe am Ufer. Es ist immer noch sehr heiß und wir gönnen uns eine Abkühlung im türkis-milchigen Wasser des Sees. Danach lecker Steak und Salat am und später noch eine Folge „Dr. House“ im Womo – Können Urlaubstage perfekter sein?

 

TAG 4 / LES SALLES-SUR-VERDON – SAINTE-CROIX-DU-VERDON
28.05.2009

Frühes Frühstück in der Sonne und schnell einpacken, die Verdon-Schlucht ruft! Beim Manövrieren aus unserem von hohen Büschen eingerahmten Stellplatz komme ich einem dieser Kollegen zu nahe. Das Ergebnis sind ein paar abgeplatzte Plastikstücke vom unteren Rand unseres Toilettenfensters. Ich ärgere mich, aber es soll zum Glück der einzige Kollateralschaden dieses Urlaubs bleiben. Und wenn wir zu diesem Zeitpunkt gewusst hätten, was uns später an diesem Tag noch erwarten würde, hätten wir über so ein paar Plastikstückchen wahrscheinlich müde gelächelt.

Verdon Schlucht

Die Verdon-Schlucht, unweit des Sees gelegen, ist eines DER Naturschauspiele Europas. So verspricht es zumindest jeder Reiseführer und jeder, der schon mal dort war. Und wirklich – keiner hat zu viel versprochen. Bis zu 700 Metern tief hat sich das türkis-blaue Band des Verdons in die Steine gefressen. Natürlich vor seiner harmlosen Zeit als Stausee-Fütterer, als er noch ein reißender Gebirgsfluss war. Wir entscheiden uns für die südliche Strecke an der Schlucht vorbei, die einige tolle Aussichtspunkt zu bieten haben und ganz gut befahrbar sein soll. Das mit den Aussichtspunkten stimmt, letzteres nicht immer. Teilweise wird die Fahrbahn richtig eng, ähnlich wie am Vortag als es den Gipfel hinauf ging. Nur das hier ständig Gegenverkehr herrscht, und das nicht zu knapp.

Es ist immer wieder ein toller Adrenalin-Kick, wenn uns ein Reisebus entgegen kommt. Ja, hier fahren Reisebusse her – Richtig große Oschis mit zwei Etagen, voll klimatisiert, DVD-TV, Toilette und so weiter. Woher ich das so genau weiß? Nun, wir hatten etwas Zeit, uns einen genauer anzusehen. In einer besonders engen Kurve kam uns ein solches Monster entgegen. Ich bremse, er bremst, nichts geht mehr. Mitten in der Kurve. Ich gucke flehend den Fahrer an und denke „Der Mann ist Profi“, aber er zuckt nur mit den Achseln und bedeutet mir mit Handzeichen ich solle doch bitte versuchen, an seinem Bus vorbeizukommen. Da mache ich doch gleich mal mit bei dem Spiel, zucke die Achseln und weise großzügig mit der Hand am Womo vorbei. Etwa 20 Sekunden tut sich gar nix. Wir gucken uns an wie zwei Cowboys auf der Dorfstraße an High Noon.

Irgendwann steigt der belgische Beifahrer des Busses aus und beginnt wild zu wedeln. Er will mich so nahe wie möglich an die Felswand lotsen, damit sein Bus passieren kann. Ich bin längst schweißgebadet und denke nur daran, dass jeden Moment einer in die Kurve geschossen kommen und uns hinten drauf knallen kann, denn hier ist tatsächlich 90 km/h erlaubt (die aber sicher niemand fährt). Der Beifahrer und Rebekka schaffen es schließlich, mich bis auf einen Zentimeter an die Felswand zu leiten. Mit eingeklappten Rückspiegeln kommen wir aneinander vorbei, ich schätze großzügig auf zehn Zentimeter Platz zwischen dem Blech. Die Omas im Bus glotzen mich an, als hätte ich die Straße persönlich mit der Hand so eng in den Stein geklopft, nur um sie ordentlich zu piesacken. Als wir weiterfahren sehen wir im Rückspiegel, dass der Bus schon wieder stehen geblieben ist. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.

Verdon Schlucht mit Bergretter-Übung

An einem der zahlreichen Aussichtspunkte wartet eine Bergziege wie bestellt auf die Ausflügler und grinst fotogen in die Kameras, während an einem unglaublich steilen und tiefen Hang die französische Bergrettung abseilen übt. Sehr spektakulär. Genau wie die Felstunnels, durch die wir fahren müssen. Am Ende der Strecke wartet die Pont de l’Artuby, die den Verdon 200 Meter hoch überspannt und auf der einem beim hinunter sehen übel werden kann. Kaum zu glauben, dass sich hier sehr gerne Bungee-Jumper in die Tiefe stürzen. Leider war kein Bungee-Betrieb, als wir dort waren. An dieser Brücke fällen wir auch die Entscheidung, die kommende Nacht erneut am Lac de Saint Croix zu verbringen. Zum einen ist es echt schön dort, zum anderen ist es heiß und das Wasser lockt. Außerdem dauerte die Schlucht-Umrundung länger als gedacht und wir müssen ja auch noch mal den Weg zurück.

Vorher fahren wir aber nach Castellan, einem der unzähligen schönen Mittalter-Städtchen in der Provence, zum bummeln, tanken und einkaufen. Nachdem wir die Verdon-Schlucht ein weiteres mal bezwungen haben, dieses mal über die bequemere Nordstrecke, rollen wir nach Sainte-Croix-du-Verdon, um die andere Seeseite auch mal kennen zu lernen. Der Camping dort ist einfach, aber alle Stellplätze befinden sich unter Olivenbäumen und haben Seeblick. Wir werfen uns in den (hier komischerweise absolut klaren, aber dennoch türkisblauen) See und später essen wir Salat mit Oliven unter Olivenbäumen.

Die Idylle wird nur ein wenig durch die etwa 50jährige zeltende Hippibraut neben uns getrübt. Obwohl, eigentlich ist sie eher witzig. Zum Sonnenuntergang baut sie direkt neben unserem Womo auf einem alten Teppich eine Art „Kunstladen“ auf mit scheußlichen Aquarellen, Steinen, Federn und mehr Esotherik-Tralala. Dann geht sie zu jedem Platz und erzählt auf deutsch, dass es schon immer ihr Traum war so, mal so durch Frankreich und so, frei wie der Wind und so. Bei der Finanzierung würde ihr ihre Kunst helfen so, man könnte ja mal so schauen kommen, wenn man das echt akzeptieren würde und so. Als sie in unsere Richtung schwenken will, ziehe ich mir meine Schirmmütze tief ins Gesicht, umklammere meine Bierdose und gucke abweisend. Hat geholfen 😉

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