Rote Steine & Casinos: Reisebericht USA (Südwest) 2015 / Tag 3

TAG 3 / PISMO BEACH-SANTA BARBARA-L.A. (CA)
Sonntag, 26.04.2015 / Sonnig, 20-30°C

Und schon wieder sehr früh wach, leider aber noch mal umgedreht und erst um sieben leicht zermatscht aufgestanden. Das Frühstück im Ocean Palms ist – nunja – vernachlässigbar. Es gibt ein paar hammersüße Fertigteilchen aus der Tüte und eine Waffelmaschine, in die man Fertigteig einfüllt, damit sie nach Pappe schmeckende Waffeln produziert. Bäh. Dazu sind vier der acht verfügbaren Sitzplätze mit einer mexikanischen Familie belegt, bei der so etwas wie „Erziehung“ offensichtlich nicht groß geschrieben wird. Der Rezeptionist von gestern Abend (ja, immer noch derselbe) guckt ob der Schreierei auch schon extrem genervt. Dazu muss man sagen: der Raum hat etwa 30 Quadratmeter. Schnell raus hier!

Draußen scheint die kalifornische Sonne schon unverschämt schön vom Himmel, und das um diese Uhrzeit. Wir packen flott unseren Kram und fahren los. Der Highway 101 läuft direkt am Hotel vorbei. Wir sind also schnell drauf … und schnell wieder runter – Tanken vergessen! Der GMC säuft aber auch wie ein Loch! Zum Glück ist das Zeug hier sehr günstig. Neben der Tankstelle ist gleich eine kleine Mall mit Starbucks – ein vernünftiger Kaffee und ein Bagel müssen jetzt auch noch her. Das der halbe Kaffee im Auto landet ist ja nicht so wichtig. Wir entscheiden uns gegen den Autofahrer-Strand bei Pismo und düsen direkt nach Santa Barbara. Während der zweistündigen Fahrt verändert sich die Landschaft alle Viertelstunde. Das ist Sightseeing aus der Windschutzscheibe raus, dazu ein perfekter Soundtrack und es wird mit jedem Kilometer wärmer. Der Tempomat hält 65 MP/H, nur ein paar Finger am Lenkrad, wenig Verkehr… es fühlt sich fast so an, als säße man in einem Bus.

Straße zum Pier in Santa Barbara.

In Santa Barbara lassen wir uns direkt zur Wharf navigieren, da müssen irgendwo Parkplätze sein, hab ich irgendwo gelesen. Sind sie auch. AUF dem Pier. Auf dem riesigen Holzpier sind Parkplätze – und das nicht zu knapp! Und Angler, Restaurants, Shops, der übliche Kram. Nach dem Parken schauen wir uns das Treiben dort ein wenig an. In der Ferne sieht man Kreuzfahrtschiffe anlegen und ganz weit am Horizont mehrere Bohrinseln. Eine davon wird hier in der Gegend drei Wochen nach unserer Rückankunft für eine kleine Ölpest sorgen 🙁
Am besten gefällt mir der einfallsreiche „Künstler“, der mehrere Handtücher auf dem Sand ausgebreitet hat. Mit ein paar spaßigen Sprüchen und Ideen hat er darauf einige „Ziele“ aufgebaut, damit man von weiter oben vom Pier aus versuchen kann, diese mit kleinen Münzen zu treffen. Und tatsächlich werfen ziemlich viele Leute ihre Cents hinunter. Wenn der Typ das mit seinen zehn Handtüchern täglich durchzieht, kommt schon was zusammen.

Dann schlendern wir vom Pier zu Fuß in die Stadt. Das Courthouse mit seinem Uhrenturm wird vom Reiseführer als lohnenswertes Ziel ansgegeben. Aber die Strecke zieht sich ganz schön. Auf der Karte sah das alles so nah beieinander aus. Wieder mal merke ich: In den USA ist wirklich alles irgendwie größer, nicht nur die Straßen. Das Courthouse ist mit seinen 25 Metern das höchste(!) Gebäude der Stadt mit einem tollen Ausblick, der Turm hat aber leider geschlossen. Auch der Mural Room wird gerade restauriert. Aber man bekommt einen Eindruck. Irgendwie wirkt hier alles ein bisschen maurisch, sehr schön und so gar nicht amerikanisch.
Die Innenstadt selbst macht einen gemütlichen und netten Eindruck, die Straßen sind gesäumt von Palmen und blühenden Büschen – kalifornischer geht’s wahrscheinlich nicht mehr. Wir kaufen noch einen Snack und fahren mit dem E-Bus für einen Dollar zum Pier zurück. Mit zweieinhalb Stunden haben wir uns hier um einiges länger aufgehalten als gedacht. Jetzt aber ab nach L.A. Das sind auch noch gute 90 Minuten.

Die Fahrtstrecke ist natürlich nicht mehr so spektakulär. Erster Halt: Das ehemalige Sound City Studio in Van Nuys. Eigentlich noch gar nicht L.A., sondern hart am Rand der Megacity. Es ist ein relativ schmuckloser Klotz in einem normalen Industriegebiet. Aber wenn man bedenkt, was in diesen heiligen vier Wänden vor denen ich nun stehe für Platten aufgenommen wurden! Nur ein paar Beispiele: „Nevermind“ von Nirvana, „Death Magnetic“ von Metallica, die „Rated R“ und die „Lullabies…“ von Queens of the Stone Age, Rage Against the Machine, System of a Down, Weezer … ich möchte nicht langweilen. Nur eins noch: Dave Grohl (Foo Fighters) liebte dieses Studio so sehr, dass er 2012 eine 107-minütige Dokumentation namens „Sound City“ darüber drehte. Empfehlenswertes Heimkino übrigens! Aber Rock’n’Roll-Historie in allen Ehren, wir müssen weiter.

Zwanzig Minuten später stehen wir in Hollywood vor dem Trylon-Hotel. Wir werden nett empfangen, werfen aber nur schnell die Sachen ab, um zum Walk of Fame zu laufen, der zehn Minuten zu Fuß entfernt ist. Dort sieht es so aus, wie wir es uns gedacht haben. Denn dass einen hier weder großer Glitzer noch Glamour empfängt, sondern ein reiner Touri-Spot mit ein wenig Filmhistorie auf dem Bürgersteig war uns vorher klar. Somit werden keine Erwartungen enttäuscht, wobei … wir hätten den Walk schmutziger und abgerissener erwartet. Ist doch eigentlich ganz nett hier! Ein bisschen Kirmes, viele lustige Touristen, die sich in spaßigen Verrenkungen mit „ihrem“ Stern ablichten und dazu ein paar „Darsteller“ in schlechten Kostümen, die Geld für ein Foto haben wollen. Das berühmte Chinese Theatre hat sich leider selber verhässlicht, in dem es sich ein riesiges Werbebanner in eigener Sache genau vor die schöne Fassade gehängt hat. Und das Dolby Theatre? wenigstens einmal im Jahr bei der Oscar-Verleihung weltweit DIE Glamour-Location schlechthin? Nun ja, sieht aus wie eine Shopping-Mall mit einer großen Treppe. Kein Wunder, das ich online lese, dass hier zu den Oscars alles mit Stellwänden verkleidet wird 😉 Klar laufen wir auch mal die „Treppe der Stars“ hoch. Klar schauen wir uns die beleuchteten Namen der „besten Filme“ neben dem Treppenaufgang an und wundern uns, wie lange dieser und jener Streifen schon wieder her sind. Kann man sich alles mal angucken.

LA Sunset

Aber schon nach einer Stunde sind wir zurück am Hotel. Zum einen werden wir morgen noch einmal im Rahmen einer Stadttour am Walk Halt machen – und zum anderen geht die Sonne bald unter! Den – und die danach leuchtende Stadt würde ich sehr gerne vom Griffith Observatorium aus sehen. Das liegt nur ’ne knappe Viertelstunde vom Hotel entfernt. Aber die Idee hatten heute am Sonntagabend sehr, sehr viele Menschen. Die Serpentinen hoch zum Griffith sind an den Seiten schon zwei Kilometer vorher auf beiden Seiten lückenlos und teils so haarsträubend zugeparkt, dass man kaum daran vorbeikommt. Und es gibt noch Gegenverkehr!
An der eigentlichen Auffahrt zum Observatorium wird man sofort von Wächtern weiter gewunken, um den Weg auf der anderen Seite des Berges nach unten zu fahren. Aber wir drehen und düsen zurück, wieder an der ganzen Blechlawine vorbei. Eine Planänderung muss her. Noch bevor die ersten Autos an der Seite parkten, sahen wir beim Hinauffahren zwei Typen mit großem Kamera-Equipment neben der Straße auf einer kleinen Anhöhe stehen. Die suchen und finden wir wieder. Und tatsächlich – von dort aus ist die Sicht auch schön! Natürlich nicht so grandios, wie vom Observatorium aus, aber toll genug, um hier den Sonnenuntergang zu sehen und zu fotografieren.

Nach einer guten Stunde Fotospaß geht es zurück zum Hotel und von dort zum nahen CVS, um ein paar kalte Getränke zu kaufen. Im netten „Solar de Cahuenga“, direkt an der Ecke vom Hotel, essen wir Abend. Heute gibt es mal keinen Burger.

HOTEL-CHECK
Auch das Trylon-Hotel bekommt eine Empfehlung. Für L.A.-Verhältnisse ist es günstig und sauber. Das weiß ich, weil ich in der Stadt sehr lange ein Hotel gesucht und sehr viele Bewertungen gelesen habe. Und die Lage ist Top! Die Zimmer sind recht klein, aber im renovierten Zustand (man kann bei der Buchung regeln, dass man eins bekommt) nett eingerichtet. Die Sicht geht auf einen Hinterhof mit Schrottautos, nun ja. Parken kann man kostenlos an einer Tanke schräg gegenüber, es gibt Kühlschrank und Flatscreen und einen kleinen Discount wenn man im schon erwähnten „Solar de Cahuenga“ frühstückt.

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