Reisebericht USA Ostküste/Eastcoast / Tag 13

TAG 13 / BOSTON
Donnerstag, 03.05.2012

Bedeckt und nur gaaaanz leichter Fisselregen als wir aufstehen, kaum Wind und rund 15 °C – Hey, endlich gutes Sightseeing-Wetter! Schnell Kaffee & Bagel im hoteleigenen Café einwerfen und ab in die City. Heute steht der Freedom-Trail an, ein historischer Wanderweg, der sich fünf Kilometer quer durch die Innenstadt Bostons zieht und durch eine rote Backsteinlinie auf dem Bürgersteig gekennzeichnet ist. Dieser Trail führt an 17 historischen Sehenswürdigkeiten vorbei, die Boston als die Wiege Amerikas herausstellen. Vieles dreht sich dabei um den Unabhängigkeitskrieg gegen die Engländer von 1775 bis 1783 und deren Helden wie etwa Paul Revere.

Die erste Station ist das State House von Massachusetts, in dass wir mehr zufällig reintalpen – und dass sich als echte Architekturperle erweist, wenn es auch ein bisschen kitschig ist. Man kann nach der obligatorischen Sicherheitsschleuse im ganzen Gebäude ungehindert herumlaufen, an den Abgeordnetenbüros und Versammlungsräumen vorbei und sich alles in Ruhe ansehen. Super! Weiter geht’s an verschiedenen Kirchen und Friedhöfen vorbei (ich werde hier jetzt nicht den ganzen Freedom Trail beschreiben!) zum alten State House, das ein ganz bekanntes Postkartenmotiv ist, da es früher sicherlich mal als riesig empfunden wurde und heute inmitten der ganzen Wolkenkratzer wie ein Zwerg wirkt.

Das Old State House trotzt den Nachbarn

In der Old North Church, auch ein Teil des Trails, gibt es eine Gruft in der Krypta, die man für fünf Dollar besichtigen kann. Klingt gruselig, ist aber eher witzig. Wir sind die einzigen, die an einer Besichtigung Interesse zu haben scheinen. Ein echt nettes Mädel führt uns in die Krypta, die eigentlich eher die Rummelkammer der Kirche ist und in der es spuken soll. Olle Bänke, Kostüme für die Osterparade, Heizungsrohre – und immer wieder mit Backsteinen zugemauerte Nischen, hinter denen nach Aussage unserer irgendwie etwas nervösen und überdrehten Führerin Tausende Knochen liegen. Gesehen haben wir nichts – außer einen Hüftknochen durch ein winziges Loch, dass in eine der Wände hinein gehauen wurde und aus dem einem warmer Dampf vom Heizsystem ins Gesicht bläst.

Gegen Mittag kehren wir für eine kleine Pause in die Quincy Market Hall ein. Die Auswahl der Essensstände in dieser großen alten Markthalle ist der Hammer. Japanisch, italiensch, amerikanisch, thailändisch … fast alle Nationen sind hier irgendwie vertreten. Wirklich unglaublich ist aber die Auswahl an Süßkram. Hier kann man sich locker innerhalb einer Stunde 5000 Kalorien reinkloppen, ohne sich mengenmäßig den Bauch voll zu schlagen. Zwei kleine Beispiele kann man in den Fotos unten sehen. In der Faneuil Hall gegenüber der Markthalle finden gerade Einbürgerungen statt. Und das bedeutet in Amerika nicht nur einen Stempel und eine Urkunde in irgendeiner staubigen Amtsstube, sondern dieser Tag wird zelebriert. Es ist fast schon rührend zu sehen, wie all die neuen US-Bürger mit Zertifikat in der Hand und Fähnchen schwenkend aus der Halle treten und von Freunden und Familie jubelnd begrüßt und fotografiert werden.

Eine neue US-Bürgerin lässt sich feiern

Der Trail führt uns anschließend weiter durchs North End, ursprünglich irisch, jetzt italienisch, und trotz viel Backstein nicht ganz so sauber und herausgeputzt wie Boston ansonsten oft wirkt. An jeder Ecke begegnet uns Paul Revere, die Geschichte um diesen Nationalhelden lese sich der Interessierte auf Wikipedia oder sonst wo selber durch. So kommen wir auch an seinem ehemaligen Wohnhaus vorbei, dass man auch von innen besichtigen kann, was ganz nett ist. Irgendwann überqueren wir, immer dem Freedom Trail folgend, den Charles River und landen im ruhigen Charlestown mit vielen bunten Holzhäusern.

Das Bunker Hill Monument, ein riesiger Obelisk den man in 294 Stufen bezwingen kann, hat leider schon geschlossen. Von dort aus ziehen wir noch zum Hafen, wo zwei Museumsschiffe liegen, von dem eines sogar ab und zu noch Reisen unternimmt – die USS Constitution ist ein Segelschiff von 1797 und das älteste noch schwimmende Kriegsschiff der Welt. Die USS Cassin Young dagegen wurde 1943 gebaut, war in einigen Kriegen unterwegs und wurde 1974 außer Dienst gestellt. Sie liegt gegenüber der Constitution im Trockendock. Beide wollen wir uns morgen nochmal genauer ansehen, denn sie sind bereits geschlossen. Nicht weit entfernt legt das Taxiboot in die Innenstadt ab, dessen 15minütige Fahrt soviel wie ein Fahrschein der Öffentlichen kostet. Ein echter Geheimtipp, denn man hat vom Boot aus einen tollen Ausblick auf die Skyline.

Das Taxi legt am Aquarium an und wir spüren Hunger. Ich brauch gar nicht so lange wie ich gedacht hätte, um Rebekka dazu zu überreden, nochmals das „Cheers“ zu besuchen 😉 Wieder essen wir dort lecker, lernen noch ein deutsches Pärchen am Nebentisch kennen und zwitschern ein Bier an der original Filmset-Theke inklusive peinlicher Touri-Fotos. Auf dem Rückweg sitzt uns in der Subway ein Typ gegenüber, der John Malkovich wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Wir tippen uns beide gegenseitig an, um den anderen leise zu fragen, ob das da vor uns nicht Malkovich ist. Alles stimmt, sogar der leichte Silberblick. Ich habe gerade mein Handy rausgekramt um unauffällig aus der Hüfte ein Foto zu machen, da steigt der Kerl in dem Moment aus. Doch obwohl er nur eine Station lang vor uns saß, sind wir uns sehr sicher. Später im Hotel gucke ich im Internet nach – Malkovich lebt in Boston. Bingo, wussten wir es doch!

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