Rote Steine & Casinos: Reisebericht USA (Südwest) 2015 / Tag 8

TAG 8 / PAGE (AZ)
Freitag, 01.05.2015 / Sonnig, 30°C

Zum allerersten Mal in diesem Urlaub schlafen wir mal so richtig aus … also bis 08.30 Uhr. Das Hotel-Frühstück ist gar nicht so schlecht, es gibt sogar Warmes! Nur die Waffeln zum selber backen schmecken mal wieder nach Pappe. Danach geht’s los zur bereits zu Hause vorgebuchten Tour in den Antilope Canyon am Ortsrand von Page. Dieses Naturwunder liegt auf Indianergebiet und so sind auch alle Mitarbeiter der Canyon Tours Indianer. Man soll 40 Minuten vorher am Büro sein, von wo aus die Jeeps zum Canyon abfahren. Wenn man da ist sieht man, dass das keinen Sinn macht, außer den, dass man genug Zeit für den Indianer-Schmuck und -Mitbringsel-Shop hat 😉 Wir haben wohlweislich die Mittagstour gebucht, um die Sunbeams zu sehen, die nur zu diesem Zeitpunkt des Tages in den Canyon einfallen. Die so entstehenden Lichtsäulen müssen wunderschön sein. Ein Foto dieses Spektakels hat es im Dezember 2014 auf 6,5 Millionen Dollar Verkaufspreis gebracht. Klar, sicher nur, weil es „Starfotograf“ Peter Lik geschossen hat. Wenn man einmal einen Namen hat …

Antilope Canyon

Punkt halb 12 werden die verschiedenen Jeeps der Firma beladen. Jeweils 12 Leute hinten auf die Ladefläche eines Pick-Up und ab geht’s. Zehn Minuten durch Page und zehn Minuten Offroad über eine Sandpiste bis zum Eintritt zu den Canyons. Unsere Führerin, eine taffe Inidanerin in bestem Alter, kümmert sich gut um uns. Wie ihre anderen Kollegen auch (teilweise herrscht ordentlicher Personenverkehr in dem engen Canyon) wirft sie immer Staub in die Luft, damit man die Sunbeams besser sehen (und fotografieren) kann. Aber sie kämpft auch wie eine Löwin für ihre Gruppe. Immer, wenn sich im Hintergrund einer der anderen Canyon-Besucher im Bild aufhält, scheucht sie ihn zackig beiseite, damit wir unseren perfekten Schuss bekommen. Und das, obwohl wir keine explizite Fototour gebucht haben. Meinen 6,5 Millionen Dollar-Shot bekomme ich auf jeden Fall, genau wie viele andere. Und wahrscheinlich schon Hunderttausende vor mir und Peter Lik.

Die Tour durch den Canyon ist leider schon nach einer halben Stunde vorbei. Zwischendurch treffen wir immer wieder auf Leute mit Stativen, die sich nicht wie wir und andere Gruppen relativ zackig durch den Canyon hindurch bewegen müssen. Das werden wohl die Leute mit dem Fotopasss sein, der 35 Dollar pro Person mehr kostet. Dafür bekommt man eine Stunde mehr Zeit im Canyon und darf eben ein Stativ dabei haben. Allerdings hat der Canyon nun mal nur bedingt Platz und die einzelnen Gruppen quetschen sich im Minutentakt hindurch, so dass sie den Fotografen immer ins Bild laufen. Also ich hätte mich sehr geärgert, 70 Dollar mehr gelatzt und letztendlich die gleichen Fotos im Kasten zu haben. Andererseits: Vielleicht hat nicht jeder der anderen Führer so für seine Gruppe gekämpft wie unsere Big Mama 😉
Fazit der Tour: Antilope Canyon m-u-s-s man sehen, gar keine Frage. Ein absolutes Naturwunder, durch das man mit offenem Mund hindurch läuft. Immer mal wieder habe ich mich dabei erwischt, die Wände ungläubig anzufassen, als wäre das alles hier eine Hollywood-Kulisse aus Pappmache. Die Tour an sich war ein bisschen zu hektisch und um die Mittagszeit waren natürlich auch jede Menge Menschen da, klar. Aber gelohnt hat es sich allemal!

Horseshoe Bend

Um halb zwei sitzen wir vollgestaubt, verschwitzt aber glücklich wieder in unserem GMC vor dem Tourbüro. Nach einem kleinen Mittagshappen in einer Fast-Food-Filiale (in diesem 6500-Seelen-Ort mitten im Nirgendwo gibt es fast alle großen Ketten) rücken wir vor zum Horseshoe-Bend, der nur zwei Kilometer von unserem Hotel entfernt liegt. Hier macht der Colorado-River, wie der Name schon sagt, eine 180°-Wende in Form eines Hufeisens. Doch vor dem Ausblick hat der liebe Gott den Sand gesetzt. 1,2 Kilometer geht es durch eine Dünenlandschaft. Die Strecke ist natürlich absolut machbar, zehrt bei dieser Hitze ohne jeglichen Schatten aber doch ein wenig. Am Horseshoe-Bend angekommen glaubt man dann kaum, wie schön die Natur sein kann. Wer sich das wohl alles mal ausgedacht hat? Auch hier lasse ich Bilder sprechen, beschreiben bringt ja nichts.
Die zahlreichen zuvor aufgestellten Warnschilder, dass man auf dem brüchigen Sandstein nicht zu weit nach vorne an die Kante gehen sollte werden von fast allen geflissentlich ignoriert. Da wird einem Schlecht beim zusehen. Mit Flip-Flops (!!) kraxeln manche bis an die Kante für das perfekte Selfie. Was für Idioten! Später verrät mir Google: Erst 2010 kam ein griechischer Tourist hier zu Tode, weil der kleine Felsvorsprung auf den er sich wagte brach und ihn in die Tiefe riss. Und dieser wagemutige Grieche war nicht der erste. Die Aussicht jedenfalls ist – ich wiederhole mich – atemberaubend. Aber in der Hitze halten wir nur eine halbe Stunde aus, machen uns dann auf den Rückweg.

Klatschnass durchgeschwitzt geht es im Anschluss zum Staudamm des Lake Powell. Schon beeindruckend, was hier vor gut 50 Jahren geschaffen wurde. Dann ist es 16 Uhr und wir machen was total verrücktes, fahren zurück zum Hotel und kühlen uns im Pool ab. Einfach so. Zwei Stunden am und im Pool abhängen, ohne Programm. Danach haben wir fast ein schlechtes Gewissen. Nein, nicht wirklich. Bei der Schlagzahl war das mal nötig. Nach einer Dusche geht es in den benachbarten Super Walmart, um Kleidung und Mitbringsel zu erbeuten. Dann wieder zu Big Johns BBQ (siehe Tag 7), wo heute Abend sogar eine Country-Band aufspielt. Nicht wirklich super, aber auch nicht schlecht. Wir lassen uns gerne von den Herren um die 60 unterhalten, während wir uns wieder das gute Smokerfleisch schmecken lassen, mit Erdnusschalen um uns werfen und das lokale Grand Canyon Bier genießen.

HOTEL-CHECK
Das Days Inn in Page ist ein ganz klassisches Mittelklasse-Hotel. Nett eingerichtet mit allem was man braucht. Dazu sauber, Plastik-Bad, bequeme Betten, ein nicht zu verachtendes Frühstück (für West-USA-Verhältnisse), gute Preise, ein Pool und natürlich wie wohl fast überall in Page mit toller Lage. Zum Horseshoe-Bend könnte man fast laufen, gleich gegenüber liegt ein Mega-Walmart, nebenan eine Tanke und für Happa gibt’s auch eine große Auswahl vor der Tür. Hier würden wir definitiv wieder buchen!

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