So kam mein Spreng-Video über Rumänien bis Bangladesch

Jede Minute werden rund 300 Stunden (!) Videomaterial auf YouTube hochgeladen – und diese offizielle Zahl ist auch schon wieder zwei Jahre alt. Nur ein Bruchteil davon geht viral, das allerwenigste erhält überhaupt einige Zuschauer. Die meisten Videos dümpeln über Jahre bei ein paar dutzend oder hundert Klicks. Wann und warum werden Videos überhaupt in dieser unglaublichen Masse gefunden? Wie verbreiten sie sich? Eine Spurensuche anhand eines eigenen, hochexplosiven Beispiels …

Vergangenen Sonntag habe ich hier im Blog über die Sprengung des Bonn Centers geschrieben, dazu natürlich auch ein Video bei YouTube hochgeladen und den Blog-Beitrag auf Facebook geteilt. Der große „Rumms“ in Bonn hatte viele tausend Zuschauer vor Ort, dementsprechend viele Clips sind auf YouTube gelandet. Vom wackeligen Hochkant-Smartphonevideo bis hin zum Profi-Drohnen-Shot war alles dabei.

Innerhalb dieses Überangebots und einem ja recht lokalen Ereignis, das als Nachricht auch höchstens ein paar Tage funktioniert, landet die Zahl der Views meiner Erfahrung nach irgendwo zwischen 100 und 1000 nach ein paar Tagen. Dann ebbt das Interesse ab und nach einigen Jahren stehen vielleicht ein paar tausend Zuschauer auf dem Zähler, wenn überhaupt. Das gilt natürlich für den Fall, dass man keine große Werbung dafür macht. So wie hier. Ein Posting in einem neuen, noch ziemlich unbekannten Blog wie diesem und das Teilen auf Facebook – mehr „Werbung“ wurde von mir nicht betrieben.

Umso überraschter war ich, dass nach fünf Tagen schon knapp 6000 Besucher mein Spreng-Video gesehen hatten. Sicher, immer noch eine Zahl, die man auf YouTube auch innerhalb weniger Tage nicht wirklich als „Erfolg“ werten kann. Aber weit mehr als erwartet. Deswegen habe ich mir mal die Statistik des Videos genauer angeschaut und war sehr überrascht …

Über die YouTube-Suche – also wenn jemand „bonn center sprengung“ oder ähnliches über das Portal gesucht hat – kamen ganze 119 Aufrufe zustande – was sich mit meiner Erfahrung deckt. Über den Facebook-Post klickten 25, über Suchergebnisse in Google 29 auf mein Video. Überhaupt stammten nur 390 Aufrufe des Videos aus Deutschland. Doch gleich am ersten Tag schauten 293 Rumänen mein Video. Rumänen?!

Die Statistik ist zum Glück so detailliert, dass man auch die Quelle der Klicks einsehen kann, also von welcher Domain die Views stammten. Und dank der Webseiten-Übersetzung von Google findet man sich ja auch auf fremdsprachigen Seiten ganz gut zurecht. Die Recherche brachte mich dann zur Seite des rumänischen TV-Senders „Stirile Pro TV“. Und ich war überrascht, dass mein Video in den Abendnachrichten des Senders gezeigt wurde.

 


(Hier ist eigentlich Video des rumänischen Senders zu sehen. Keine Ahnung, wie lange die das online lassen, möglicherweise ist der Link irgendwann tot.)

 

Warum sich die Kollegen in Rumänien nun ausgerechnet mein Video ausgesucht haben – wer weiß. Dafür haben sie aber auch überhaupt keine Quellenangabe in den Beitrag gesetzt 😉 Immerhin findet sich der Beitrag auch auf der Webseite des Senders und darunter wird netterweise auf mein Original verlinkt. Daher also all die Klicks aus dem Osten.

Rumänisches Fernsehen kapert mein Video

Immer auf der Suche nach interessanten News sind dann wohl auch bulgarische Journalisten auf den rumänischen Beitrag aufmerksam geworden. Ansonsten kann ich mir die 774 Zuschauer aus Bulgarien am Tag darauf nicht erklären. Hier bin ich bei der Recherche allerdings gescheitert und habe den Beitrag nirgendwo entdeckt. Aber ich glaube, es handelte sich um eine Zeitung.

Und weiter durch Ost-Europa: Noch am selben Tag „explodierten“ plötzlich die Klicks aus der Ukraine. 374 YouTube-Gucker von dort zappten innerhalb von ein paar Stunden auf mein Video. Diese Quellen hatte ich schneller ausgemacht – zwei ukrainische Zeitungen. Eine hat zu ihrem Beitrag über die Sprengung gleich drei YouTube-Videos verlinkt – darunter eben auch meins. Reicht ja eigentlich als Quellenangabe. Allerdings besteht der Artikel dazu einfach 1:1 aus meiner Video Beschreibung, wie ich durch Googles Übersetzer herausfand. Mein Ukrainisch ist doch ein bisschen eingerostet. Na, das nenne ich mal schnellen „Journalismus“.

 

Ukrainische Zeitung 1
Ukrainische Zeitung 2

Aber es geht noch tiefer in den Osten: Drei Tage nach der Veröffentlichung knallte die Zuschauerzahl innerhalb zwei Stunden um über 2000 nach oben. All die neuen Klicks kamen aus … Bangladesch! Eine Zeitung dort in Südasien hatte wohl auch langsam mal die pittoreske Schönheit dieser Sprengung entdeckt und huldigte dem Bonn-Center mit einem tatsächlich recherchierten Artikel, in dem noch einige weitere Informationen standen, die nicht in meiner Video-Beschreibung erwähnt wurden (ein Teufelsding, dieser Google Übersetzer). Dazu ein Link zu meinem Clip und Screenshots daraus als Artikel-Bild. Als Quelle wird „DWT“ angegeben, wer immer das ist.

 

Grüße aus Fernost

Wir fassen also nochmal zusammen: Aus irgendwelchen Gründen wurde ein rumänischer TV-Sender auf meinen Beitrag aufmerksam und so kopierten offenbar andere Medien lustig wiederum diesen Beitrag. Erklären kann ich mir das nur, da ich einer der wenigen war, der die Beschreibung und auch den Titel des Videos auf englisch verfasst hat. Vielleicht hat auch noch mit reingespielt, dass die Videoqualität ganz gut ist, da von mir in 4K gedreht wurde.

Nur, wer mitgerechnet hat merkt: Mit Deutschland, Rumänien, Bulgarien, der Ukraine und Bangladesch kommen wir immer noch längst nicht auf die 6000 Besucher nach fünf Tagen. Das liegt daran, dass inzwischen YouTube-Gucker aus 90 (!) Ländern das Video angeklickt haben. Da haben sicher der ein oder andere Blog oder auch Internetportale oder klassische Medien noch ihren Teil dazu beigetragen.

Es kleckert sich halt so zusammen … 110 aus den USA, 80 aus dem Oman, 121 aus Malaysia, 34 aus Spanien, sieben aus Venezuela, einer aus Mosambik und so weiter und so fort. Aber ich habe mich in der Recherche nach den Quellen jetzt nur auf die „hohen“ Klickzahlen konzentriert. Man hat ja auch noch anderes zu tun … 😉

Übrigens: Ja – ich schalte auf einigen meiner Videos Werbung über YouTube. Und falls sich jemand fragt, was das bringt: Nach rund 2500 Zuschauern ganze 0,28 US-Cent! Danach wurde die Werbung von einem YouTube-Roboter gestoppt, da in dem Video offenbar gewaltverherrlichende Inhalte gefunden wurden, die eine weitere Monetarisierung des Inhalts nicht mehr möglich machen. Kicher …

 

 

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