Reisebericht USA Ostküste/Eastcoast / Tag 5

TAG 5 / NEW YORK CITY
Mittwoch, 25.04.2012

Nach einem wirklich sehr guten Frühstück im fensterlosen Kellergeschoss des Hotels (wer sagt eigentlich immer, dass das Frühstück in Amerika schlecht ist?), sind wir schon früh unterwegs, denn heute heißt die erste Station Empire State Building. Den König der Wolkenkratzer würden wir gerne ohne die wohl üblichen stundenlangen Warteschleifen genießen und sind daher schon um zehn Uhr mit unseren City Pass-Gutscheinen vor Ort.

Vor Ort bedeutet in diesem Fall im pompösen Foyer des Besuchereingangs. Bis wir aber zu den Kassen vorgedrungen sind, dauert es nach dem mehrmaligem passieren von mindestens drei Wartebereichen mit Zick-Zack-Kurs, einer Aufzugsfahrt und einer Sicherheitsschleuse noch eine halbe Stunde. Und dabei war wirklich sehr wenig los! Wenn ich mir vorstelle wie es hier abgehen muss, wenn die Leute bis auf die Straße anstehen … ich glaube, dafür wär mir die Zeit zu schade und Nerven hätte ich dafür auch nicht. An der Kasse wird uns mitgeteilt, dass wir unsere Gutscheine nur einlösen können, wenn wir einen Reisepass dabei haben.

Haben wir aber nicht, nur unsere Führerscheine und die Kreditkarten. Es tue ihr leid, das reiche nicht als Legitimation. Hallo?!! Die großen Traurigen „Büttö, büttö“-Augen von Rebekka erweichen die Dame hinter dem Tresen dann doch noch und wir erhalten unser City Pass-Heftchen ausgehändigt und dürfen rein. Zur nächsten Schlange, zum nächsten Aufzug. Nö, da nehmen wir lieber das Treppenhaus und laufen die restlichen Stockwerke. Ziemlich platt kommen wir oben an und die letzte Dreiviertelstunde ist vergessen – Was für eine Aussicht! Obwohl es ein bisschen diesig ist und auch nicht wirklich warm, bleiben wir knapp eine Stunde oben und lassen uns den Wind um die Ohren pfeifen. Manhattan liegt uns zu Füßen … geil!

Manhattan zu unseren Füßen

Wieder unten schnappen wir uns in der Empire State Filliale von Starbucks einen Latte irgendwas und pausieren ein wenig auf einer Straßenbank, bevor es weiter in Richtung Wall Street geht. Auf dem Hinweg erhalten wir einen ersten Blick auf den ehemaligen Ground Zero bzw. die Baustelle des neuen WTC. Für morgen haben wir Karten für das Memorial, bin schon gespannt. Aber jetzt schauen wir erst einmal in der Trinity Church und auf ihrem kleinen und (für US-Verhältnisse) uralten Friedhof vorbei. Die Kirche war bei ihrer Eröffnung 1864 tatsächlich das höchste Gebäude der Stadt (der Turm misst 86 Meter). Inzwischen sieht sie inmitten der unzähligen Wolkenkratzern des wichtigsten Bankenviertels der Welt eher zwergenhaft aus. Alleine dieses Bild ist schon beeindruckend.

In der Wall Street hält sich immer noch ein hartnäckiges Grüppchen der „Occupy“-Bewegung mit Transparenten für und gegen eigentlich alles. Die etwa 30-40 Demonstranten sind aber durch verschiedene Absperrgitter quasi wie in einem Käfig von den restlichen Bänker- und Touristenströmen abgetrennt. Laut sind sie auch nicht, nur einmal brandet ein großer Jubel auf, als ein Pizzabote ankommt und sie mit Mittagessen versorgt. Was die Wall Street angeht – Ist mal nett, da zu sein. Erst recht wenn man auch ein wenig an den internationalen Finanzmärkten interessiert ist. Aber wirklich was zu gucken gibt’s da nicht.

Anschließend suchen wir noch das Maskottchen der Wall Street – Die Bullen-Skulptur, dessen Testikel finanzielles Glück bringen sollen wenn man sie streichelt. Nach längerem Suchen finden wir den Metallbullen auch, nur leider ist er genau so abgesperrt , dass man nur ein Foto mit seinem Schädel machen kann und an die von Millionen Händen schon blank gewischten Klöten gar nicht ran kommt. Für eine solche Absperrung wird in New York übrigens eine komplette Streifenwagen-Besatzung abgestellt. Mittlerweile ist es früher Nachmittag und Rebekka entert einen Bagel-Shop, um einen kleinen Snack zu erstehen. Sie wählt einen Käse-Bagel … der mit Cream Cheese und sieben (!) Scheiben Cheddar-Käse belegt wird. Macht erst mal satt, das Ding (uns beide).

Sicherheit geht offenbar vor

Im nahen Battery Park schauen wir ein paar Straßenkünstlern zu, genießen die Aussicht auf die Bay und Miss Liberty. Nach einem schnellen Geocache am beeindruckenden World War II Memorial hauen wir uns noch eine Viertelstunde auf eine Bank und genießen et Sönnschen, dass sich mal kurz blicken lässt. Wirklich schön, dieser Park. Und obwohl wir in unserem City Pass-Heftchen noch einen Gutschein für eine Schiffsfahrt rund um Manhattan haben, latschen wir zum Staten Island Ferry Terminal, um mit der kostenlosen Fähre einmal nach Staten Island überzusetzen. Die Fahrt führt an der Freiheitsstatue und an der Skyline von Jersey City entlang und ist – nicht nur, weil sie nichts kostet – wirklich zu empfehlen. Man hat tolle Ausblicke auf Downtown Manhattan und dessen Skyline. Leider versteckt sich die Sonne während wir an Bord sind und kehrt erst zurück, als wir wieder in Manhattan anlanden. Auf Staten Island muss man den Kahn übrigens verlassen und sich sofort wieder anstellen, um mit dem gleichen Schiff zurückfahren zu können. Anscheinend fürchtet man auch hier Terror-Anschläge, denn die Fähre wird auf jeder Fahrt von einem Schnellboot der Küstenwache begleitet, auf dem ständig jemand am Bug steht und dabei ein großes, festinstalliertes Maschinengewehr im Anschlag hält.

Zurück in Manhattan gönnen wir uns einen Kaffee in der Sonne und verschwinden danach in den Untergrund. Heute soll es noch nach Chinatown gehen. Dort angekommen, spazieren wir dann doch zunächst durch das benachbarte Little Italy. Das italienische Viertel war früher wohl bedeutend größer, wird aber mehr und mehr von den Chinesen verdrängt und ist stark zusammengeschrumpft. Quasi ein Abbild der Weltwirtschafts-Verhältnisse im Kleinen. Viel italienischer Flair kommt hier allerdings nicht auf, weil es fast nur noch Restaurants und Pizzerien gibt.

Auch wenn die Grenze eher fließend ist: Chinatown erkennt man nicht nur an den chinesischen Beschriftungen der Geschäfte, sondern auch am zunehmenden Dreck auf der Straße. Interessant ist es aber allemal und man fühlt sich tatsächlich ein wenig nach Asien hineinversetzt, zumal hier fast nur Asiaten auf den Straßen zu sehen sind, allerdings beileibe nicht nur Chinesen. Wir würden uns das Viertel gerne noch etwas näher ansehen, vertagen das aber, da es schon recht spät ist und ich unbedingt auf die andere Seite des East Rivers möchte, um von Brooklyn aus den Sonnenuntergang vor der Skyline erleben zu können. Eigentlich wäre ich hierzu gerne über die Brookyln Bridge spaziert, aber das würde zeitlich nicht mehr hinhauen. Also wird der Finger gehoben …

Der indische Taxifahrer scheint allerdings schlechter englisch zu sprechen als wir und versteht nicht wirklich, wo wir hin wollen. So lassen wir uns hinter der Brooklyn Bridge auf der Cadmen Plaza raus werfen, um den Rest zum Ufer zu Fuß zu gehen. Nachdem wir eine Viertelstunde durch Brooklyn Heights gelaufen sind, erwischen wir statt dem eigentlichen Ziel Brooklyn Bridge Park den Brooklyn Bridge Park Greenway, etwas weiter südlich. Macht aber gar nix, denn die Aussicht ist wunderbar. Der Greenway ist ein breiter Fußgängerweg am Ufer entlang mit vielen Bänken und viel Grün, genau gegenüber der Downton Manhattans. Von hier aus kann man nach links bis zur Freiheitsstatue und nach rechts weit über die ganz nahe Brooklyn Bridge hinaus sehen. Außerdem hat man all die Piers vor dem East River und natürlich den Schiffsverkehr auf dem River im Blick. Dazu ein Sonnenuntergang bei wolkenlosem Himmel … Es ist zum schreien kitschig und gleichzeitig extrem cool. Ich positioniere die Videokamera, um einen Zeitraffer der „blauen Stunde“ aufzunehmen und schieße gefühlt Tausend Fotos in allen Beleuchtungsstadien der Skyline.

Ein Traum wird wahr

Von genau diesem Moment an genau dieser Stelle hier habe ich so oft geträumt und ihn mir so oft vorgestellt – und jetzt ist er tatsächlich Wirklichkeit. Nachdem Rebekka von ihrem kleinen Solo-Spaziergang zurück ist, mit dem sie meine Foto-Wut überbrückt hat, lasse ich, um den Moment kitschigerweise noch mehr zu perfektionieren, „New York State of Mind“ von Alicia Keys auf dem Handy laufen. Wir kommen aus dem Glotzen gar nicht mehr heraus und machen uns erst nach mindestens zwei Stunden relativ durchgefroren auf den Weg zur Metro. Dabei bemerken wir, dass Brooklyn Heights ein wirklich schmuckes Viertel ist. Viele der kleinen Backsteinhäuser scheinen einen eigenen Garten zu haben, man ist hier sehr nahe an Manhattan, die Straßen sind sehr sauber und ruhig und irgendwie wirkt es fast dörflich – mitten in New York.

Mittlerweile ist es 22 Uhr und da wir außer Frühstück und dem geteilten Bagel am frühen Nachmittag noch nichts im Magen haben, steigen wir auf der Heimfahrt am Times Square aus, um fix in einem Burger King anzulanden. In einer Pharmacy (Drogerie) am Times Square, die eigentlich eher ein Supermarkt ist, erstehe ich noch einen Sixpack Bier, von dem später im Hotel nur drei Flaschen überleben, während wir noch den nächsten Tag planen um danach vollkommen im Eimer ins Bett zu fallen.

 

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