Reisebericht USA Ostküste/Eastcoast / Tag 4

TAG 4 / PHILADELPHIA – NEW YORK CITY
Dienstag, 24.04.2012

Sonne – Zum ersten Mal seit unserer Ankunft! Die Aussicht auf einen strahlendblauen Himmel über der nahen Skyline von Philly lässt uns um halb acht aus dem Bett hüpfen. Das Frühstück hier im „Alexander Inn“ ist okay: Bagels, Scones, Süßkram. Herzhaftes bis auf Streichkäse (Klar – „Philadelphia“ von Kraft) gibt’s nicht. Egal, wir müssen los, denn bis zum auschecken um 12 Uhr wollen wir unbedingt noch den Turm des nahen Rathauses besteigen. Immerhin mit seinem knapp 170 Meter das höchste gemauerte Gebäude der Welt. In der warmen Morgensonne tippeln wir zu der langsam wach werdenden Stadt und Philly gefällt uns jetzt schon noch besser als gestern Abend.

Moin Rathaus, wir kommen!

Am Rathaus angekommen müssen wir zum Westtor, um uns Tickets zu besorgen. Die kosten fünf Dollar, dafür bekommt man einen Aufkleber, den man sich anheften muss und mit dem man in den normalen Rathauseingang gehen soll. Zusammen mit städtischen Angestellten und Bürgern, die irgendetwas im Rathaus zu erledigen haben, werden wir von der Anmeldung aus mit dem Aufzug in den siebten Stock geschickt. Von dort sollen wir der roten Linie am Boden folgen. Oben angekommen tun wir genau das und laufen durch einen langen Gang, von dem einige Beamtenbüros abgehen, die noch nicht mal ihre Türen geschlossen haben. Die Linie führt schließlich zu einer Rolltreppe, diese wiederum zu einem kleinen Saal mit einigen Bildern und Erklärungen zum Rathausbau. Ein kleiner, dicklicher, grimmig guckender schwarzer Wachmann empfängt uns dort. Ständig Chips in sich reinschaufelnd fragt er nur kurz, ob wir die einzigen sind. Dann schaufelt er weiter und bleibt stumm. Wir wagen nicht zu fragen, wie es jetzt weitergeht.

Nach fünf Minuten kommt noch eine französische Familie mit Kind und Kegel dazu und ein knappes „OK, we go up!“ des Wachmanns sorgt dafür, dass wir alle brav in einen winzigen Aufzug steigen. Einen Aufzug für acht Personen, der offen fährt, sprich man kann die ganze Zeit hinaus gucken. Der Wachmann redet keinen Ton und die alte Kabine kämpft sich laaaangsam durch das Turmgewölbe bis ganz nach oben unter die Statue. Dort öffnet Cheffe uns die Tür, lässt uns hinaus, sagt dabei keinen Ton … und bleibt im Aufzug. Wir Insassen verteilen uns auf der Aussichtsplattform und genießen die Stadt von oben. Wirklich ein toller Ausblick. Man sieht richtig, wie die Altstadt und die Neustadt zusammengewachsen sind. Auch die Statue des Stadtgründers William Penn, die ganz oben auf der Kuppel steht, wirkt plötzlich riesig. Nach etwa sieben Minuten steht unsere Security wieder da und schnarrt laut und zackig, „OK, we go down!“. Brav und leise tippeln wir wieder zurück in den Aufzug, laaange Fahrt nach unten und kein weiteres Wort mehr vom Chef. Komischer Typ.

Von oben haben wir die berühmte „Love“-Skulptur von Robert Indiana entdeckt, gleich gegenüber vom Rathaus an einem Brunnen. Da müssen wir natürlich auch noch hin, bleiben dort auf dem schönen JFK-Platz noch etwas sitzen und genießen die Atmosphäre. Plötzlich spricht mich ein nettes Mädel an, ob ich ein paar Minuten Zeit hätte. Ich unterhalte mich kurz mit ihr und erfahre, dass es sich um eine Umfrage unter den Einwohnern der Stadt dreht. Ich lache und sage ihr, dass ich ein Tourist aus Deutschland sei. Da gibt sie mir die Hand, grinst über das ganze Gesicht, entschuldigt sich und wünscht noch einen tollen Urlaub. Und lässt mich stolz wie Bolle zurück, da mein Englisch bzw. mein Akzent ja doch gar nicht so schlimm sein kann 😉 Aber jetzt müssen wir auch schleunigst zum Hotel, das Auto aus dem nahen Parkhaus holen und auschecken, was auch pünktlich klappt. Wir besorgen uns noch einen Taco, den wir uns zu Mittag im Mazda reinschlagen und ab geht es durch all die kleinen Backsteinbauten-Straßen mit den vielen Wandgemälden in Richtung Highway. Tschüss Philly, war echt schön! Aber in ein paar Stunden wollen wir schon durch New York spazieren. Fuck, yeah!

Die Fahrt nach NYC über die Interstate 95 gestaltet sich erst unspektakulär. Dauerbaustellen und öde Industriegebiete neben der Autobahn wechseln sich ab. Kurz vor New York wird’s dann nach anderthalb Stunden doch noch spannend, denn die Skyline von Manhattan kommt am Horizont in Sicht. Wir gaffen – und irgendwie habe ich dabei nicht mehr auf das Navi geachtet. Denn eigentlich sollte es uns südlich von Manhattan nach rechts auf die 278 in Richtung Queens zu unserem Hotel führen. Aber wahrscheinlich war die Musik zu laut und ich habs überhört. Na ja, es hat ja schon eine neue Route gefunden, das Navi. Also einfach weiter geradeaus. Hm, da kommt ein Tunnel. Aha, „Lincoln Tunnel“. WAS? 12 Dollar Maut? Welcome to New York sag ich da nur. Und das für die kurze Fahrt, naja. Öhm, moment .. das ist doch .. waaah! Wir sind mitten in Manhattan gelandet!!

Das ist er – der König der Skyscraper

Aber so richtig mitten drin, und das zur Rush Hour, wie ein schneller Blick auf die Uhr verrät. Gut, da müssen wir jetzt durch. Es sind genügend Zigaretten an Bord und sogar Cola Zero ist noch da, wir schaffen das! Die nächste knappe Stunde (für etwa 10 Kilometer!) ist Multitasking angesagt. 1. Aufgabe: Aufpassen, dass kein Cab und kein Truck unseren kleinen Mazda und uns zu Brei klumpem. 2. Aufgabe: Immer in der richtigen Spur bleiben oder hineinkommen, was oft genug misslingt. 3. Aufgabe: Gucken!! Hallo? Wir fahren gerade durch Manhattan! 4. Aufgabe: Sinatras „New York, New York“ auf dem Smartphone raus suchen und über die Autoanlage abspielen 😉

Zeitweise sind wir zwischen zwei Trucks sehr eng eingekeilt (und zwar die Monstertrucks von der Autobahn – die, von denen man nicht mal die Tür sehen kann, wenn man aus dem Fenster guckt, sondern nur das Fuß-Trittbrett und die Spikes an den Chromfelgen haben) und vor und hinter uns befindet sich einer dieser wahnsinnigen Taxifahrer. Hier ist sich echt jeder selbst der nächste – dagegen ist der Kreisverkehr am Arc de Triomphe in Paris ein Kindergeburtstag. Aber es geht alles gut und ziemlich im Eimer erreichen wir nach diesem Straßen-Western unser Hotel. Obwohl es „Manhattan View“ heißt, haben wir natürlich ein Zimmer im dritten Stock und somit keinen. Ansonsten ist es wirklich OK, ein Holiday Inn halt (mehr zum Hotel am letzten New York-Tag).

Nach dem auspacken begeben wir uns zur Metro, die praktischerweise gleich um die Ecke an der 39. Straße abfährt. Als billigste Variante stellt sich das Wochenticket heraus, auch wenn wir nur fünf Tage in der Stadt sind. Für 29$ erhält man damit eine 7-Tage-ÖPNV-Flatrate. Wir fahren gleich die paar Stationen zum Times Square und schon eine Viertelstunde später klappt sie mir wieder runter, die Kinnlade. Man kennt den Times Square aus Filmen, aus Dokus, von Fotos, aus Reiseberichten und Erzählungen – aber wenn man selber dort steht, ist all das killefit. Auf so ein massives Bling-Bling-Knallibunti war ich nicht eingestellt. Und so viele Taxen und Menschen und überhaupt – wir sind wirklich überwältigt und müssen uns auf der berühmten roten Treppe erst mal setzen, um die Eindrücke wirken zu lassen. Nur schwer können wir uns losreißen, um noch ein bisschen den Broadway hinunter zu laufen.

Wir latschen bis zur 34th und plötzlich tut sich eine unglaubliche Aussicht auf: Da strahlt das Empire State Building vor uns in der roten Abendsonne. Was für ein Bild! Wir folgen der 34th und schwenken auf die 5th Avenue bis hinunter zum Flat Iron Building. Was-für-ein-Bild! Glücklich und kaputt von einem Tag mit 1000 Eindrücken kehren wir ins erstbeste Restaurant in der Nähe des Flat Iron Buildings ein, ohne lange zu suchen oder Preise zu vergleichen. Das Steak ist ganz OK, aber wir sind hundemüde, verzichten auf jeglichen Absacker und fahren mit der Metro völlig fertig zurück ins Hotel. Mehr als Duschen, hinlegen und mit einem Grinsen im Gesicht einschlafen ist heut nicht mehr drin.

 

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