Rote Steine & Casinos: Reisebericht USA (Südwest) 2015 / Tag 12

TAG 12 / LAS VEGAS (NV)
Dienstag, 05.05.2015 / Sonnig, 30°C

Nach einem Starbucks-Frühstück besteigen wir den GMC, um wie gestern Richtung Norden zu cruisen. Man kann doch nicht in Vegas abhängen, ohne sich auch einmal ein paar Wedding-Chapels angesehen zu haben! An einer Straße finden wir gleich mehrere der Sorte. Ist das billig, ist das kitschig, ist das abgefahren! In einer der Kapellen werden wir beim hereinkommen direkt beraten. Heute Nachmittag wäre noch ein Slot frei … ähmn, ach ja? Äh, nein danke. Das ganze Viertel hier wirkt ein wenig abgeranzt aber irgendwie sehr interessant. Ganz in der Nähe befindet sich das „Stratosphere“-Hotel mit seinem riesigen Tower und der Achterbahn oben drauf. Dort parken wir und wollen eigentlich hoch, aber als wir die Ticketpreise sehen, drehen wir wieder um 😉 Auch an der Freemont Street verharren wir nicht. Es ist Mittag, kaum jemand hat sich dorthin verirrt und die Projektion an der „Decke“ sieht bestimmt nur Abends schön aus. Dann lieber direkt zum Neon Sign Museum, das schon vor dem Urlaub ganz oben auf der Agenda stand. Wir müssen eine halbe Stunde auf die nächste Führung warten und bekommen einen netten Guide, der sehr viel über die ganzen ausgedienten Neon-Reklamen und Las Vegas im Allgemeinen zu berichten weiß. Lohnt sich, hier vorbei zu schnuppern! Vor allem, wenn man gerne fotografiert – denn Motive gibt es wirklich en masse!

Neon-Sign Museum

Nach dem „kulturellen“ Teil des Tages fahren wir den Strip hinunter bis zum „Welcome to Las Vegas“-Schild. Denn man kann doch nicht in Vegas abhängen, ohne … Und ja, es ist ein Schild, ein Pflicht-Foto sozusagen. In die lange Schlange der Leute, die sich genau davor ablichten wollen (darin steht auch ein Brautpaar in voller Montur) wollen wir uns aber nicht einreihen. Gleich nebenan ist der Flughafen, dessen Zaun ich noch einen kurzen Besuch abstatte. Ich bin kein Plane-Spotter, aber finde landende oder startende Flugzeuge, die nur hundert oder zweihundert Meter über meinen Kopf hinwegbrausen einfach spannend.

Zurück im Hotel werfen wir uns in die Badeklamotten und chillen noch zwei Stündchen am Pool herum. Dann geht es auch schon wieder zum Strip. Weil es uns so gut gefallen hat, wählen wir zum Abendessen erneut das „Denny’s“ gegenüber des Treasure Island. Danach steht der Sonnenuntergang kurz bevor und den würde ich doch so gerne von der Aussichtsplattform des Eiffelturms am „Paris“ sehen. Nur haben wir uns mit der Zeit wohl etwas verkalkuliert, denn der Strip zieht sich ganz schön und die Uhr tickt. Wenn man dort anstehen muss, was ich befürchte, schaffen wir es bestimmt nicht mehr. Schnell heb ich die Hand und winke ein Taxi heran. „Du willst zum Paris?“, fragt der Fahrer. „Das ist doch nur ein paar Blocks, geh doch zu Fuß!“
„Ja ja“, sag ich, „würd ich auch, aber ich hab’s echt eilig.“ Da lässt der Typ sein Fenster hochsurren und sagt noch „Nee, lass mal!“ Was war das denn? Na gut, für ein paar Dollar scheinen sich die Taxifahrer hier nicht die Finger schmutzig machen zu wollen, also laufen. Abgehetzt am „Paris“ angekommen, gibt es natürlich keine Schlange und wir sind nach fünf Minuten oben. Die Hetze war also für die Katz, aber das Ziel ist erreicht. Der Sonnenuntergang von dort oben – und man sollte die Höhe nicht unterschätzen, auch wenn es nur eine 1:2-Kopie des Eifelturms ist – ist großartig. Eine Wahnsinns-Aussicht, die wir lange genießen. Die Fontänen der Wasserspiele am „Bellagio“ direkt unter uns sehen so klein aus, als würden sie aus Wasserpistolen geschossen.

Blaue Stunde vom Eiffelturm

Nach diesem sehr tollen Erlebnis schauen wir uns noch kurz im „Paris“ um und wollen jetzt aber auch noch unbedingt das „Bellagio“ von innen sehen. Es ist das Kitschigste, was mir je vor die Linse gekommen ist. Meine Herren, finden „reiche“ Menschen das wirklich schön? Skurril ist es auf jeden Fall. Aber wer bitte braucht denn pinke Springbrunnen und mega-große Comic-Schmetterlinge, die mit den Augen klimpern? Na ja, gut. Wer braucht eine Kopie des Eifelturms in einer künstlichen Spielermetropole mitten in der Wüste ;-)? Vegas ist halt anders. Das merken wir auch anschließend im „Ceasar’s Palace“, in dessen irren langen Gängen, die Roms Einkaufsstraßen (samt Brunnen) imitieren, man sich wirklich verlaufen kann. An einem der sauteuren Läden bildet sich eine Menschentraube. Was ist denn hier los? Einer aus der Traube raunt mir zu, in dem Laden würde gerade Mayweather einkaufen. Stimmt! 12 Stunden bevor wir hier ankamen hat der doch im „MGM“-Hotel gegen Pacquiao geboxt. War weltweit ein Mega-TV-Ereignis und ich habe in St. George noch via Laptop versucht, einen guten Stream dafür zu finden, bin aber gescheitert. Kurioserweise wurde der Kampf nämlich in den USA nur über Pay-TV gezeigt. Aber ein so großer Boxing-Fan bin ich nun auch nicht, also ziehen wir weiter und bekommen am Ausgang des Ceasar’s noch den hysterischen Zusammenbruch einer offensichtlich stark angetüdelten Braut mit, die offensichtlich die Stunden zuvor frisch durchgeführte Zeremonie schon wieder bereut.

Vor dem „Treasure Island“ geben wir uns anschließend noch die Vulkan-Show in voller Länge – richtig geil! Mittlerweile sind wir auch mit einem „Fat Tuesday“-Slush-Cocktail ausgestattet. Zwar nicht in Spazierstock-Größe, aber ganz ohne kann man sich ja hier auf der Straße kaum blicken lassen 😉 Das Zeug schmeckt echt gut und euphorisiert derart, dass ich der Mission „Refinanzierung des Urlaubs“ eine weitere Chance geben möchte. Wir tingeln durch drei Casinos und landen letztendlich wieder im „Cosmopolitan“. Ein weiterer lustiger Abend, an dem ich auch rund 200 Dollar gewinne, aber – natürlich – auch alles wieder verzocke. Das macht so einen Spaß, dass wir zurück in unserem Hotel sogar noch ein Stündchen im kleinen hoteleigenen Casino einkehren statt gleich schlafen zu gehen und erst irgendwann gegen halb vier ins Bett fallen. Man kann doch nicht nicht in Vegas abhängen, ohne … Eben! Diese Stadt hat mich offensichtlich voll erwischt. Aber ich bin da ja nicht der Einzige …

HOTEL-CHECK
Das Tuscany Suites & Casino ist kein typisch Strip-Hotel sondern eher „klein“ und auf mehrere zu einem Komplex zusammengefasste Gebäude aufgeteilt. In der Mitte befindet sich ein schöner Plansch-Pool, ein wenig abseits gibt es einen Pool für Schwimmer ohne Musik und Palmen. Die Lage ist genial – zehn Minuten zu Fuß vom „Bellagio“ – also Strip-Mitte – entfernt und daher ruhig gelegen. Die Zimmer sind riesig und sauber, es hat sogar eine kleine Küche und einen Esstisch im Raum, zusätzlich eine Sofa-Ecke mit TV. Das Bad ist groß und mit Dusche und Wanne ausgestattet. Für rund 40 Euro pro Person/Nacht geht der Schuppen sowas von in Ordnung!

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