Rote Steine & Casinos: Reisebericht USA (Südwest) 2015 / Tag 13

TAG 13 / LAS VEGAS (NV)-SAN FRANCISCO (CA)
Mittwoch, 06.05.2015 / Sonnig, 30°C/20°C

Auf dem Weg zum Starbucks-Frühstück sehen wir einen Stretch-Hummer vor dem Hoteleingang stehen. Einen Hummer! Streched! In Camouflage-Farben … Laut Werbung ist das wohl das Abholgefährt für Leute, die ein bisschen Spaß auf einem Schießstand gebucht haben. Da hätte ich ja auch noch Lust drauf gehabt, war mir aber leider etwas teuer.

Um beim „leider“ zu bleiben: Nach dem obligatorischen Guten-Morgen-Bagel ist im Hotel Packen angesagt. Der Flieger nach San Francisco geht um 13 Uhr. Auf dem wirklich allerletzten Tropfen Benzin erreichen wir den nur zehn Minuten entfernten Airport gegen halb Zwölf. Und noch ein „leider“: Jetzt heißt es Abschied nehmen von unserem schnuckeligen SÜVchen. Der GMC Terrain ist mir wirklich ans Herz gewachsen, tolles Auto! Die Abgabe ist in zehn Sekunden erledigt. Das Gepäck abgeben in weiteren zehn Minuten – jetzt heißt es warten. Und natürlich gibt es auch im Abflug-Bereich noch jede Menge einarmige Banditen, um auch wirklich noch den allerletzten Rest Kleingeld zu verspielen. Zis, dieses Vegas!

Irgendwo da unten muss der Yosemite sein.

Unser Flug wird von Virgin America durchgeführt. Jeder hat auf seinem Ticket einen Buchstaben, in deren Reihenfolge das Boarding abläuft. Schon dabei gibt es ein paar Lacher, denn die Personen werden aufgerufen mit „A – like Amazing“ oder „B – like Brilliant“ und so weiter. Auch das Sicherheitsvideo von Virgin ist ein Kracher und sehr witzig. Einfach mal auf YouTube suchen. Komfort wird selbst auf der Kurzstrecke groß geschrieben – der Sitzabstand ist sehr gut, die Sitze aus Leder und bequem, die Innenbeleuchtung des Flugzeugs ist in einem spacigen lila gehalten, Inseat-Entertainment gibt’s für jeden Sitz mit einem riesigen Angebot, auch Live-Fernsehen und sogar eine kleine Tastatur ist dabei, die man für Spiele auch als Gamepad benutzen kann. So sieht also ein amerikanischer Billig-Flieger aus, interessant!

Der Flug selbst ist ein bisschen ruckelig, aber dafür kann Virgin ja nichts. Allerdings stimmt die Aussicht! Schon nach einer knappen Stunde landen wir in San Francisco. Da simmer wieder! An der Touristinfo bekommen wir den Tipp, Bus und Bahn in die Stadt zu meiden und statt dessen eines der vielen privaten Shuttle zu benutzen. Schnell ist eins gefunden, für 17 Dollar werden wir über eine Stunde – länger als der Flug also – in die Innenstadt kutschiert. Dabei geht es natürlich auch noch zu ein paar anderen Hotels der Mitfahrenden, aber so bekommen wir schon mal einen kleinen Eindruck der Stadt und des Presidios.

Angekommen an unserem Motel Cow Hollow Inn an der Lombard Street merken wir erst so richtig, wie frisch es hier ist. Locker zehn Grad kühler als in Las Vegas und die Sonne versteckt sich auch. Wir werden sehr nett begrüßt und gleich mit ein paar Tipps für Restaurants und einen ersten Kennenlern-Spaziergang Nähe ausgestattet. Mit den letzten Kröten kaufen wir uns einen Happen Fast Food, packen die Sachen aus und orientieren uns erst mal, dann ziehen wir los. Ein ATM ist schnell gefunden, wir sind also wieder flüssig und starten am Marina Green einen Spaziergang über Fort Mason und Embarcadero bis zum Pier 39. Währenddessen grüßt uns der zweite Kolibri der Reise, bekommen wir die leicht zugenebelte Golden Gate in der Ferne zu sehen und natürlich die Alcatraz-Insel. Am Pier sagt uns außer den putzigen Seelöwen jetzt nicht allzuviel zu. Ist halt doch sehr, sehr touristisch ausgelegt.

Auch die Abendsonne ist inzwischen da, aber es bleibt frisch und an lange Hosen und Pulli können wir uns einfach noch nicht gewöhnen. Anschließend stapfen wir den Berg hoch bis zum Washington Square, ein wirklich schönes Plätzchen. Dort soll in Little Italy laut Tripadvisor die beste Pizzeria der Stadt zu finden sein. Die machen wir auch schnell aus – anhand der langen Schlange vor der Tür. Spontan wählen wir ein andere Pizzeria zwei Blocks weiter aus. Leckeres Futter, aber doch sehr teuer.

Am Washington Square entern wir den Bus zurück ins Hotel und nehmen, zurück in Cow Hollow, noch etwas aus einem Kiosk mit aufs Zimmer. Für ein Sixpack Bier, eine Packung Salzcracker, einen Plain Bagel und eine Minitüte Chips zahle ich 30 Dollar. Was ist denn hier bitte mit den Preisen los?! Im Hotel schauen wir zum ersten Mal in diesem Urlaub ein Stündchen TV, zum Glück läuft gerade Jimmy Kimmel. Als ich zum Rauchen vor das Hotel gehe sind die Straßen schon recht leer, doch plötzlich sehe ich aus den Augenwinkeln einen Obdachlosen auf mich zukommen. Horror! Nicht, weil es ein Obdachloser ist, davon gibt es hier ja nun genug. Nein, er hat einen total starren Blick, und bewegt sich original schlurfend wie ein Zombie genau auf mich zu. Entweder er hat sich einen Mordsspaß mit mir erlaubt, war bis unter die Halskante zugedröhnt oder hatte andere gesundheitliche Probleme. Ich bin jedenfalls geflüchtet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Bitte stimmen Sie nach den Bestimmungen der DSGVO der Speicherung zu.

Okay