Rote Steine & Casinos: Reisebericht USA (Südwest) 2015 / Tag 15

TAG 15 / SAN FRANCISCO (CA)
Freitag, 08.05.2015 / Sonnig, 20°C

Guten Morgen Sonne, geht doch! Gleich gegenüber vom Motel versuchen wir Mel’s Diner zum Frühstück. Hat sich nicht gelohnt – teuer (klar), aber auch schlecht. Mit dem Bus geht’s zum Pier 39, denn für heute haben wir für sagenhafte 35 Euro ein kleines Auto geliehen, um auch mal über die Golden Gate Bridge hinaus zu kommen. Außerdem fühlt man sich hier ohne Auto doch irgendwie nur wie ein halber Mensch 😉 Bei „Hertz“ angekommen, räumen die beiden Angestellten mit ein paar Vorurteilen auf. Amerikanische Autoverleiher können auch supernett sein, selbst, wenn man sämtliche Zusatzangebote ablehnt! Weil hier alle so freundlich sind, frage ich mal vorsichtig nach was es kosten würde, den Wagen gleich zwei Tage zu behalten und erst am Flughafen wieder abzugeben. Nur 50 Dollar mehr? Deal!! Unser kleiner Toyota Yaris hat erst 900 Meilen auf dem Tacho und reicht vollkommen aus. Und dann erhalten wir auch noch den Tipp, im Hertz-Parkhaus am Pier 39 kostenlos parken zu können. Na das ist mal ein Service!

Gärten und Kunst an den Booten

Sofort fahren wir los Richtung Golden Gate, die sich völlig unvernebelt im schönsten Sonnenlicht präsentiert. Und, klar: wie wahrscheinlich Millionen Menschen vor uns lasse ich Scott McKenzie aus dem Radio dudeln, als wir drüber fahren und wir singen lauthals mit. Touri-Klischee des Tages abgehakt 😉 Kurz hinter der Bridge fahren wir noch die Conzelman Road hinauf, um die Aussicht auf das Wahrzeichen zu genießen.
In Sausalito steuern wir dann direkt einen Park-Tipp an, das Bayside Café (Einfahrt an der Gate 6 ½ Road). Zum einen haben die hier wirklich leckere Sandwiches, sind sehr nett und zum anderen kann man dort perfekt seinen fahrbaren Unersatz gratis abstellen, um sich die Hausboote gleich gegenüber anzusehen. Eins dieser Hausboot-Piers ist sehr hübsch aufgemacht. Alles ist total dicht bepflanzt, man wähnt sich auf den endlosen Holzstegen wie in einem langen Garten. Die Hausboote selbst sind alle sehr hübsch und teilweise wirklich schräg bemalt. Fast jeder hat ein wenig „Kunst“ im „Vorgarten“. Hier könnte ich es für ein paar Jahre aushalten! Gleich nebenan ist eine Art Hippie-Siedlung auf dem Wasser. Die schwimmenden Häuser sind alle etwas heruntergekommen, die Stege abgeranzt und kaputt, keine Gartenatmosphäre und die Versorgungs- und Stromleitungen hängen an dicken Knäueln kreuz und quer in der Luft. Wenn hier mal ein Kabel durchschmort, will ich kein Elektriker sein! Lustig, dass schön und hässlich hier so unmittelbar nebeneinander wohnen. Hausboote in Sausalito und Bayside Café: Tipp!

Zurück in unserem Elefantenrollschuh geht es nach San Rafael. Dort fahren wir bis vor die Tore von San Quentin. Wenn man Alcatraz gesehen hat, sollte man auch mal hier gewesen sein, finde ich. Immerhin ist diese Gefängnis-„Stadt“ mit ihrem weltbekannten Todestrakt auch schon historisch zu nennen. Dazu kommen die Auftritte von Johnny Cash und Metallica hinter den Mauern. Rein kommt man natürlich nicht, aber von der Seite aus kann man die Größe des Areals ganz gut abschätzen. Nur hundert Meter weiter halten wir oberhalb eines kleinen Sandstrands der Bay, von wo aus man einen guten Blick auf die imposante Richmond San Rafael-Bridge hat. Ach, und sagte ich eben Metallica? Es ist jetzt nicht so, dass ich noch ein Riesenfan der wohl größten Metalband der Welt wäre, aber ich war es mal und die Herren haben mich musikalisch eine längere Zeit meines Lebens begleitet. Und auch, wenn ich die „neuen Sachen“ der letzten zehn, fünfzehn Jahre jetzt nicht mehr wirklich höre, habe ich sie gerade in dieser Zeit mindestens zehnmal live gesehen, wenn auch meist beruflich. Also, googeln wir mal, denn ich weiß, dass Metallica-Kopf James Hetfield in San Rafael lebt. Die Adresse ist schnell gefunden und wir sind auch fix in dem sehr begüterten Wohngebiet angekommen. Natürlich fahren wir nur langsam mal dran vorbei und steigen nicht aus. Nur mal gucken, in welcher Umgebung Mr. Superrockstar und seine Familie sich so häuslich niedergelassen haben. Danach geht es aber zum eigentlichen Ziel, dass ich mir schon zu Hause auserkoren habe, wenn man denn schon mal in San Rafael ist: das Metallica HQ.

Die Band hat vor rund 12 Jahren ein großes Lagerhaus mitten in einem unscheinbaren Industriegebiet als Hauptquartier bezogen, vorher im Presidio in San Francisco seine Räumlichkeiten gehabt. Im Hof basteln Roadies gerade an irgendwelchen Gerätschaften und haben kein Problem damit, dass ich ein Foto schieße. Die Herren Rockstar selbst sind heute schon dort, wo wir vor zwei Tagen noch waren: Morgen treten sie beim „Rock in Rio“ Festival in Las Vegas auf.

Muir Woods

Genug Celebrity-Watch für heute, auf geht es in die Natur! Das Muir Woods National Monument ist nicht weit entfernt und beherbergt ein großes Gebiet mit zahlreichen Küstenmammutbäumen, den höchsten Bäumen der Welt. In etwa anderthalb Stunden kann man einen schönen Rundweg durch die Wälder laufen. Die steinalten Holzriesen sind gi-gan-tisch. Aber nicht nur wegen deren Höhe hat der ganze Wald etwas unwirkliches. Die Bäume sind so hoch und oben so dicht, dass teilweise nur 20 Prozent des Tageslichts bis auf den Boden durchscheinen. Wenn man in der Nähe ist, sollte man diesen Spaziergang unbedingt unternehmen. Tipp: Ab 18 Uhr war das Kassenhäuschen geschlossen, obwohl der Wald bis 20 Uhr geöffnet ist. Aber die paar Dollar, die auch zum Erhalt dieses Naturschauspiels genutzt werden, sollten es einem wert sein. Aus den Woods raus wärmt uns wieder die Abendsonne und wir cruisen zurück nach Sausalito, da wir dort auf der Hinfahrt am Highway einen In&Out Burger ausgemacht haben. Auch wenn das erst mein zweiter Besuch in einer Filliale dieser Kette ist, ernenne ich mich hiermit selbst zum „In&Out“-Fan for Lifetime! Wir haben Glück, denn kurz nachdem wir unsere Bestellung aufgegeben haben, stürmt ein ganzer Schulbus das Lokal.

Jetzt aber fix Richtung Golden Gate, denn die Sonne geht schon unter. Ich möchte wieder die Conzelman Road hoch, um oben an der Battery Spencer ein paar Blaue Stunde-Fotos der Brücke zu schießen. Als ich dort angekommen die Autotür aufmache, bläst uns ein eisigkalter, feuchter Wind entgegen. Rebekka macht lieber die Heizung im Auto an und wartet auf mich. Oben auf der Battery ist es noch kälter und ich habe auch noch mein Stativ vergessen, aber trotzdem lasse ich den Chip der Canon glühen. Das ist mal eine Aussicht! Leider ist es sehr diesig, aber das kann dieses tolle Gefühl hier oben zu stehen und die Brücke sowie San Francisco quasi zu meinen Füßen zu haben nicht schmälern. Tipp: Links neben der Battery sind diverse Löcher im Maschendrahtzaun. Dort kann man problemlos durchschlüpfen und bekommt einen noch besseren Standpunkt. Aber vorsicht, gerade im Dunkeln – es geht teilweise steil bergab!
Total durchgefroren zurück im Auto, werden wir zurück in San Francisco von zahlreichen Feuerwehrwagen überholt, die halsbrecherisch die bergigen Straßenzüge hinauf- und hinunter hetzen. Es liegt auf dem Weg, also folge ich mal. Zum Glück handelte es sich wohl um einen falschen Alarm, wie ich dann am Einsatzort sehe, aber so konnte ich – natürlich aus gebührendem Abstand – ein paar tolle Feuerwehr-Autos in Aktion sehen 😉 Im Motel angekommen, wollen wir noch nicht aufs Zimmer und gehen einen Block weiter in den Horseshoe-Pub auf ein Bier, um diesen tollen Tag abzuschließen. Eine nette Kneipe mit Grunge aus den Lautsprechern, Billardtischen und dem Spiel der SF Giants gegen Miami im TV. San Francisco hat übrigens gewonnen, Freibier gab es trotzdem keins 😉

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