Rote Steine & Casinos: Reisebericht USA (Südwest) 2015 / Tag 16

TAG 16 / SAN FRANCISCO (CA)
Samstag, 09.05.2015 / Bedeckt, 18°C

Endlich haben wir heute mit Noahs Café die richtige Frühstücks-Station gefunden. Günstig, lecker, gut. Leider ein wenig zu spät, denn heute ist der letzte richtige Urlaubstag. Wir hüpfen ins Auto und wollen dem Pier 39 nochmal eine Chance geben. Vorher aber soll es zu einem weiteren Touri-Klassiker gehen – den Serpentinen-Teil „unserer“ Lombard Street. Gleich zweimal fahren wir durch die engen Kurven hinab, machen dabei immer wieder das Victory-Zeichen und grinsen. Denn: man fühlt sich dabei wie ein Star! Hunderte asiatische Touristen (komischerweise tatsächlich fast ausschließlich asiatische) säumen die Kurven und fotografieren und filmen was das Zeug hält jedes Auto, also auch uns. Will nicht wissen, auf wie vielen chinesischen Homevideos ich jetzt grinsend, winkend und gestikulierend beim Autofahren bewundert werde. Hier würden wir jedenfalls nicht gerne wohnen. Was für ein Trubel jeden Tag vor der eigenen Haustür. Dabei ist die Straße mit 16 Prozent Gefälle gar nicht der Spitzenreiter hier. Ganz in der Nähe gibt es eine mit angeblich um die 30 Prozent Steigung. Dort fahren wir auch lang – es ist, als würde man auf eine Wand oder eine sich öffnende Zugbrücke zurasen. Krass!

DAS ist ma ein Gefälle!

Am Pier 39 parken wir gratis auf unserem Privatparkplatz (Danke Hertz!). Eine Stunde schlendern wir nochmal über das Pier und drum herum und schauen auch den Seehunden ein Viertelstündchen beim Balgen zu. Reicht dann auch. Weiter geht’s nach Haight-Ashbury, dem Hippie-Viertel schlechthin, da die Bewegung hier wohl ihren Anfang nahm und das Viertel auch heute noch sehr „alternativ“ sein soll. Vorher fahren wir noch an den Painted Ladies vorbei, stellen aber fest, dass rund um dieses „Wahrzeichen“ noch viel schönere alte Holzhäuser stehen und wir nicht einsehen, warum gerade diese vier hier so toll sein sollen.

In Ashbury parken wir an einem Whole Market und kaufen ein paar schweineteure Mittags-Snacks. Sind zwar gesund, schmecken aber nach Pappe. Kosten dafür auch nur 20 Dollar. Dieses mal bleibe ich aufgrund eines akuten Schlafanfalls ein Viertelstündchen im Auto sitzen, während Rebekka einmal die Straße hinauf- und wieder hinunterläuft. Anschließend fahren wir in den riesigen Golden Gate Park hinein. Hier wirkt es größer als im New Yorker Central Park. Wie praktisch, dass man mit dem Auto durchfahren kann. Am japanischen Garten halten wir, der interessiert uns. Aber: Lange Schlangen vor dem Kassenhäuschen und 16,- Dollar Eintritt halten uns nach einem kurzen Blick am Kassenhaus vorbei in den Garten dann doch ab. Wir haben vor einem Jahr in Japan jede Menge Gärten gesehen, warum also hier und dann noch bei diesem bedeckten Wetter? Och nö, weiter geht’s.

Wir fahren einfach durch den Park hindurch, bis wir auf der anderen Seite am Pazifik auskommen. Dort genießen wir ein bisschen die frische Brise, gucken kreischenden Teenys und kreischenden Möwen beim Spielen zu. Auch am China Beach fahren wir noch kurz vorbei. Gleich daran wohnt übrigens Kirk Hammet, Metallica’s Gitarrist (siehe gestern). Der Multi-Multi-Millionär bewohnt aber ein recht bescheidenes Häuschen – als passionierter Surfer allerdings direkt an der Bay. An ein paar weiteren netten Villen vorbei führt uns der Weg zum Baker Beach. Immer noch sind wir enttäuscht vom Wetter – die Aussicht auf die Golden Gate wäre von hier aus so schön bei Sonne. Wir gehen zu den den Felsen am anderen Ende des Strands. Dort scheuchen wir fast einen Nudisten auf, der es sich pudelnackt bei gefühlten 17°C und Wind zwischen den Steinen gemütlich gemacht hat. Wir setzen uns auf die Felsen und schauen auf die Bay, als plötzlich ein paar Rückenflossen einer Delphinschule auftauchen! Lange planschen die Tiere etwas hundert Meter entfernt vor unserer Nase durchs Meer, kommen aber leider nicht näher heran. Plötzlich betritt ein sehr witziger Typ die Szenerie. Schwarz, spindeldürr und bekleidet mit einem viel zu langen Basketballshirt, einer Pelzmütze UND einer Baseballcap, dazu Sandalen mit hochgezogenen weißen Kniestrümpfen. Er trägt Sonnenbrille und einen Blindenstock. Mit letzterem tastet er sich voran, neben ihm geht sein nicht weniger witzig gekleideter Kumpel, der ständig an einer Wodkaflasche nuckelt. Was ist das denn für ein Duo!? Und dann kraxeln die beiden auch noch die Felsen vor uns hoch, dabei gucken sie die ganze Zeit quietschend und kreischend nach unten ins Wasser, als würden sie etwas wichtiges suchen. Spätestens jetzt wird uns klar, dass der Blindenstock wohl eher ein modisches Accessoire sein soll. Als die beiden abgezogen sind, kommt ein Vater über die spitzen Felsen geklettert. Er trägt FlipFlops an den nackten Füßen, in einem Arm trägt er ein Kleinkind, im anderen einen Hund und dabei telefoniert er mit seinem zwischen Schulter und Kopf eingeklemmten Handy. So watschelt er über die scharfkantigen Steine. Typen gibt’s! Aber wenigstens ist für Unterhaltung gesorgt.

*Seufz*

Dann reißt plötzlich der Himmel auf und es herrscht für eine halbe Stunde schönster Sommersonnenschein. Den nutze ich natürlich gleich zum fotografieren. Das tun auch andere und als wir uns langsam wieder auf dem Rückweg zum Parkplatz machen, spricht mich ein Franzose an, ob ich ihm meine Email-Adresse geben könne. Ähmn, warum? Er habe ein Foto von mir und meiner Freundin gemacht, während wir Arm in Arm auf die Golden Gate schauen. Och, wie nett. Ich bedanke mich und gebe ihm die Adresse, das Foto kommt tatsächlich zwei Tage später zurück in Deutschland in mein Postfach geflattert und ist auch noch echt gut gelungen.
Vom Baker-Beach aus fahren wir noch weiter an das rechte Ende der Brücke zum Fort Point und schauen uns dort ein wenig um. Als letzter Programmpunkt des Tages und auch des Urlaubs (sniff) halten wir noch kurz an der Lucasfilms-Zentrale im Presidio an, um uns den Yoda-Brunnen davor anzusehen. Es ist früher Samstagabend, kein Mensch weit und breit. Plötzlich taucht ein asiatisches Brautpaar zu Fuß auf, bezieht Stellung vor Meister Yoda, zückt Plastik-Lichtschwerter und lässt sich von einem Freund ablichten. Lustig!

Es ist arschkalt geworden, der Wind zerrt an den Klamotten und wir haben Hunger. Zurück in Cow Hollow streunen wir ein wenig in „unserem“ Viertel herum auf der Suche nach etwas Essbarem. Stranden tun wir im „SuperDuper Burger“ und fast könnte dieser Laden meinem geliebten „In&Out“ den Rang ablaufen. Alleine die Knoblauch-Parmesan-Pommes …was für eine Sünde! Im Hotel lassen wir dann den Urlaub ein wenig Revue passieren, während wir die restlichen Alkoholvorräte vernichten. Spontan kehren wir noch auf den letzten Whisky des Urlaubs im Horseshoe-Pub ein.

HOTEL-CHECK
Das Cow Hollow Motor Inn in der Lombard Street hat einen gravierenden Vorteil für Autofahrer: kostenlose Parkplätze! Zudem ist es gut gelegen und war für San Francisco-Verhältnisse wirklich günstig! Dafür bekommt man ein solides, nicht ganz so modern eingerichtetes Zimmer mit einem bequemen Bett, Flatscreen, Kühlschrank und Wanne. Hier kann man es ein paar Tage aushalten!

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