Am besten Südwesten – Reisebericht USA 2016 / Tag 8

TAG 8 / TORREY – MOAB
Samstag 22.10.16

Wilder Westen und totale Einsamkeit
Das „Broken Spur“ ist eine von zwei Unterkünften auf dieser Reise, die Frühstück inklusive anbieten. USA-typisch wird zwar alles auf Einweggeschirr serviert, kann sich aber sehen und schmecken lassen. Wir packen und satteln auf, um schnell den ersten Tagesordnungspunkt zu erreichen: den Capitol Reef Nationalpark. Vorher halten wir direkt hinter Torrey auf der Strecke nach Fruita an einem Aussichtspunkt und saugen noch mal ein 360°-Panorama imposanter roter Felsen in der Morgensonne auf.

Der Capitol Reef ist recht schnell erreicht. Goldgelbe Herbstbäume und mächtige Verwerfungen in der Erdkruste bieten ein tolles Bild. Dieser Nationalpark ist nicht unbedingt riesig. In einer halben Stunde hat man ihn erfahren und kann sich dann wieder nach unten arbeiten, dabei an jedem beliebigen Viewpoint anhalten und staunen. Auto-Sightseeing galore, zum Wandern ist leider keine Zeit.

Capitol Reef Nationalpark

Von dort aus geht’s auf die nach der UT 12 nicht weniger sehenswerte Strecke der UT 24 bis zur Interstate 70. Auch hier lasse ich mal die Bildergalerie unten sprechen. Die Landschaften und ihre Farben wechseln im Minutentakt: Felsen, Steppe, Canyons, Bewuchs oder karg – toll. Gerade das letzte Stück bis zur I70 ist die einsamste Straße in der einsamsten Gegend, in der ich je gefahren bin. Geschätzt laut Google Earth führt sie mitten durch ein etwa 80 Quadratkilometer großes Gebiet voller Nichts. Schönem Nichts natürlich.

Dino-Spuren und rote Bögen
Auf der I70 sind zeitweise 80 Meilen pro Stunde erlaubt – das sind rund 130 km/h! Wow – schneller durften wir nirgendwo fahren. Bis zur Abfahrt nach Moab ist es nicht weit und kurz dahinter biegen wir zur Dinosaur Track Site ab. Die Stelle muss man sich genau er-googlen (am Milepost 149 nach links über die Schienen und immer geradeaus bis zum Parkplatz). Und auch vor Ort muss man ein wenig suchen, denn groß beschildert ist hier nichts. Dann aber steht man in einem ehemaligen Flussbett aus der Steinzeit, in dem tatsächlich gut erkennbar Fußtapser diverser Saurier erhalten geblieben sind. Schon beeindruckend.

Nach der kurzen Zeitreise düsen wir weiter Richtung Moab, doch biegen, kurz bevor die Zivilisation uns wieder hat, nach links in die Auffahrt zum Arches Nationalpark ein. Zehn Minuten erklimmt man über Serpentinen das Plateau, auf dem sich die zahlreichen Felsbögen aneinanderreihen. Einmal oben, treiben mir die ersten Meilen dort vor Schönheit fast die Tränen in die Augen. Und wir finden später: Es kommt gar nicht so auf die namensgebenden Arches an, vielmehr ist hier alles toll. Aber auch hier bitte die Galerie unten begutachten, das kann man nicht beschreiben.

Sonnenuntergang im Arches NP

Wir fahren fast alle Viewpoints ab, sehen letztendlich etwa zehn Bögen. Am North und South Arch verbringen wir den gigantischen Sonnenuntergang. Die Felsen glühen, es ist ein wahnsinnig schönes Bild. Der Arches NP ist verdammt groß – mit Wanderungen könnte man hier sicher drei Tage verbringen. Er gefällt uns besser als der Bryce, dessen Ruf als schönster Nationalpark wir nicht ganz nachvollziehen können. Erst im Stockdunkeln können wir uns vom Arches trennen und fahren runter nach Moab, wo wir in unserem Hotel einchecken. Für das Abendessen folgen wir der Empfehlung der Rezeptionistin und besuchen das „Eddie McStiff“. Es ist noch warm, also setzen wir uns draußen hin, genießen Büffel-Burger und lokale Biere. Sogar ein Kölsch wird hier gebraut, das auch Kölsch heißt. Blöd, dass ich mein Heimatbier gar nicht mag 😉 Sehr viel hippes Adventurevolk ist hier in Moab unterwegs. Irgendwie sehen alle gleich aus: Entweder Outdoor-Klamotten oder T-Shirt und Baggypants mit Dreadlocks auf dem Kopf.


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